Branche im Umbruch : Rückzug der Foto-Fachhändler

Seit Mai geschlossen: die Photo-Dose-Filiale in Schwerin
Seit Mai geschlossen: die Photo-Dose-Filiale in Schwerin

Traditionsunternehmen Photo Dose gibt Filialgeschäft auf und schließt nicht nur den Standort Schwerin.

von
04. Juli 2018, 20:45 Uhr

Blende zu: Der Digitalisierungstrend kostet einer der größten Fotoketten in Norddeutschland das Filialgeschäft. Schwerin, Rostock, Kiel, Hamburg, Hannover, Braunschweig, Lübeck – das Bremer Traditionsunternehmen Photo Dose zieht sich aus dem Fachverkauf vor Ort zurück und konzentriert sich auf das Onlinegeschäft.

Die Filialen würden im Laufe des Jahres verkauft, lässt das Unternehmen den Kunden am Servicetelefon mitteilen. Während ein Großteil der Filialen in den alten Ländern von anderen Foto-Unternehmen übernommen würden, werden die Geschäfte in MV offenbar komplett geschlossen. Ostdeutschen Dose-Kunden bleibe nur das Online-Geschäft, heißt es am Servicetelefon. Weitergehende Anfragen ließ die Geschäftsführung seit Tagen unbeantwortet.

Fachgeschäfte verschwinden aus dem Stadtbild

Die Branche im Umbruch: Mit dem Ausstieg von Photo Dose verliert beispielsweise Schwerin eines der letzten Fotofachgeschäfte – ein bundesweiter Trend. „Die Erwirtschaftung der erforderlichen Umsätze“ sei in der „Schweriner Filiale immer schwieriger geworden“, erklärt das Unternehmen im Kundenportal. Der Einzelhandel in den Städten leide enorm durch den immer stärker werdenden Online-Handel mit direkter Zustellung der Ware per Post.

Der stationäre Handel sei „nicht mehr tragbar“, sodass sich Dose auf den Postversand konzentriere. Es gebe nur noch sehr wenige Kunden, die vor Ort ihre Kamera oder Fotoarbeit kaufen würden. Mehr als 90 Prozent der Aufträge für Fotos, Alben oder Bilderleinwände würden inzwischen online erteilt. Daher stelle Photo Dose auf eine „reines Online-Fotolabor“ um. In Spitzenzeiten Ende der 90er-Jahre gehörten zu dem in vierter Generation geführten und 1898 gegründeten Unternehmen 120 Ladengeschäfte.

Konkurrenz ist groß

Fotofachhändler in den Ladenzeilen machen sich rar in Deutschland: Ihnen gehe das frühere „Brot- und Buttergeschäft“ mit eigenem Laborgeschäft und Studioaufnahmen verloren, meint Christian Müller-Rieker, Chef des Photoindustrieverband (PIV). Inzwischen sei die Zahl der Filialgeschäfte von einst etwa 7000 auf nur 1200 zurückgegangen. Der stationäre Einzelhandel müsse verschiedene Vertriebswege anbieten, um zu bestehen. Mit den Digitalkameras seien auch große Technikmärkte verstärkt in den Verkauf eingestiegen und hätten Fachhändlern das Geschäft streitig gemacht.

Inzwischen stellt der Wandel von der digitalen zur smarten Technologie die Branche vor Veränderungen. Der Wechsel sei anspruchsvoller als der von analog zu digital, bewertete der Branchenverband PIV. In Zeiten des Smartphones sind Digitalkameras immer weniger gefragt. 2016 sind nur noch 1,45 Millionen digitale Kompaktkameras verkauft worden, ermittelte der Bundesverband Technik des Einzelhandels (BVT) in Köln. 2013 waren es noch 4,56 Millionen. Fotobücher, -kalender, Wandbilder, Postkarten versprechen hingegen wachsende Geschäfte. Mehr als eine halbe Milliarde Euro setzte die Branche damit im vergangenen Jahr um.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen