Flughafens Berlin-Brandenburg : Pannen-Airport: Zweite Chance für Chefaufseher

Erhielt 12-Ja-Stimmen im Aufsichtsrat: Berlins regierender Bürgermeister Klaus Wowereit
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Erhielt 12-Ja-Stimmen im Aufsichtsrat: Berlins regierender Bürgermeister Klaus Wowereit

Wiederwahl nach Rücktritt: Klaus Wowereit neuer Aufsichtsratschef des Flughafens Berlin-Brandenburg / Eröffnungstermin weiter unklar

svz.de von
14. Dezember 2013, 00:36 Uhr

„Vergessen machen können sie das nicht“, bekannte Klaus Wowereit, der Regierende Bürgermeister von Berlin. Er meinte damit die unsägliche Geschichte des Hauptstadtflughafens, von dem aus eigentlich seit zwei Jahren Flugzeuge starten sollten. Wowereits Rolle ist bis heute umstritten. Hat er die Riesenmängel in Planung und Bauausführung nicht gesehen? Oder wurde der Aufsichtsrat tatsächlich jahrelang von der Geschäftsführung schlecht informiert?

Der SPD-Politiker will sich nicht zu lange mit der Rückschau aufhalten. Alle Gesellschafter – der Bund, Brandenburg und Berlin – müssten ihren Beitrag dazu leisten, den Flughafen endlich fertigzustellen. Er sei bereit, dies zu tun, indem er Verantwortung übernehme, „denn lukrativere und interessantere Posten“ gebe es schon.

Seit gestern ist der Berliner Regierungschef Klaus Wowereit (SPD) wieder Aufsichtsratsvorsitzender der Flughafengesellschaft Berlin Brandenburg. Das Kontrollgremium wählte ihn bei einer Sitzung im brandenburgischen Motzen, wie die Gesellschaft mitteilte. Im Aufsichtsrat gab es 12 Ja-Stimmen für Wowereit, eine Nein-Stimme sowie eine Enthaltung. Wowereit soll das Projekt Hauptstadtflughafen zum Erfolg führen. Es gibt schwere Bau- und Planungsmängel. Im Januar hatte Wowereit den Posten als Aufsichtsratschef abgegeben.

Vor einigen Tagen hatte noch die Linkspartei in Brandenburg Vorbehalte angemeldet. Der brandenburgische Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) hatte Wowereit am Donnerstag seine Unterstützung zugesichert.

Die Aufsichtsräte mit Vertretern aus den Ländern Berlin und Brandenburg sowie der Bundesregierung diskutierten mit Flughafenchef Hartmut Mehdorn auch über die nächsten Schritte bis zur Eröffnung des Hauptstadtflughafens. Diese wurde im Januar wegen schwerer Bau- und Planungsfehler auf unbestimmte Zeit verschoben. Nach letztem Stand wird es noch mindestens 18 Monate dauern, bis die mangelhafte Brandschutzanlage fehlerfrei installiert ist. Der Aufsichtsrat und die Gesellschafter müssten an einem Strang ziehen, um den Flughafen endlich zu vollenden, sagte Wowereit gestern Mittag. Vor der Sitzung hatten die Aufsichtsratsmitglieder die Flughafen-Baustelle in Schönefeld besucht. Wowereit sagte, dort seien „Fortschritte deutlich zu erkennen“, etwa bei den Kabeltrassen im Terminal. Bei der Kabelverlegung war vor der geplanten Flughafen-Eröffnung im Juni 2012 vieles durcheinander gegangen. „Aber es ist noch viel zu tun“, fügte Wowereit hinzu. Zu einem möglichen Eröffnungstermin wollte sich auch gestern keiner der Beteiligten äußern. Ursprünglich sollte der Airport, der Tegel und Schönefeld (alt) ersetzen soll, im Oktober 2011 an den Start gehen.

Nach der Terminabsage im Januar gab Wowereit den Posten als Aufsichtsratschef ab. Der damalige brandenburgische Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) übernahm das Amt, bis er es im August nach einem leichten Schlaganfall niederlegte. Sein Stellvertreter Wowereit führt den Aufsichtsrat seitdem kommissarisch.

Nun bekommt der 60-Jährige eine zweite Chance. Wenn alles gutgeht, kann er den Pannen-Airport in Schönefeld doch noch als Aufsichtsratschef und Regierender Bürgermeister eröffnen, vielleicht 2015, vielleicht erst 2016.

Manche haben Wowereit zwar pauschal vorgeworfen, der Flughafen-Geschäftsführung zu wenig auf die Finger geschaut zu haben. Andere wie der Handelskammer-Präsident Eric Schweitzer halten ihn aber durchaus geeignet für die Leitung des Gremiums. Die nötige Fachkenntnis hat er sich in den ersten fünf Jahren als Chefkontrolleur angeeignet. Als durchsetzungsstark gilt er ohnehin.


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