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Serie: Maritime Wirtschaft : Ostsee wird zum Labor für „grüne Schifffahrt“

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Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Flüssiggas statt Diesel: Reedereien rüsten ihre Schiffe auf umweltfreundlichere Technik um.

svz.de von
erstellt am 16.Feb.2017 | 08:00 Uhr

Nach jahrelanger Schiffbaukrise tut sich in der maritimen Wirtschaft wieder etwas. Die Branche verändert sich. In einer kurzen Serie widmen wir uns den neuen Trends im Schiffbau.

Wenn die „WES Amelie“ in diesem Sommer nach ihrem Umbau wieder durch Ost- und Nordsee pflügt, werden Reeder in ganz Europa ihre Fahrten aufmerksam verfolgen. Denn der Containerfrachter der Harener Reederei Wessels an der Ems verbrennt in seinem Motor dann nicht mehr schmutziges Schweröl, sondern wesentlich umweltfreundlicheres Flüssiggas (LNG). Das Projekt soll helfen, die Schifffahrt nachhaltiger zu machen. Die 2011 gebaute „WES Amelie“ wird damit zum Trendsetter in der europäischen Handelsschifffahrt. LNG gilt als der Schiffstreibstoff der Zukunft, da es die strenger werdenden Umweltauflagen insbesondere in Ost- und Nordsee erfüllt. Beide Gewässer werden sogenannte Emissionskontrollgebiete, in denen die Höchstwerte für das neben Schwefeloxid und Rußpartikeln besonders gesundheitsschädliche Abgas Stickstoffoxid stark begrenzt werden. Alle ab 2021 gebauten Schiffe werden unter diesen Grenzwerten liegen müssen, so hat es die Internationale Seeschifffahrts-Organisation der Vereinten Nationen Ende 2016 beschlossen. Luftverschmutzung durch Schiffsabgase ist fatal. Forscher führen den Tod von weltweit bis zu 60 000 Menschen pro Jahr durch Lungen- und Herzkrankheiten auf Schiffsemissionen zurück. Besonders gefährdet seien Küstenbewohner, warnen Wissenschaftler der Universität Rostock. Aber auch die Belastung des Wassers selbst soll sinken: Stickstoffoxid von Schiffen gilt als eine Hauptquelle von Nährstoffeinträgen ins Wasser, die zu extremem Algenwachstum in der Ostsee führen. Auch für das Einleiten von Schiffsabwässern gelten ab 2021 strenge IMO-Grenzwerte.

Maßgeblich auf Initiative skandinavischer Staaten entwickelt sich der Ostseeraum gerade zu einer Pilotregion des sogenannten „Clean Shipping“, der „sauberen Schiffahrt“. Der schwedische Premierminister Stefan Löfven warnte jüngst auf einer EU-Strategiekonferenz zur Ostsee in Stockholm: „Der Schiffsverkehr wird sich bis 2030 verdoppeln, und das bedeutet: mehr Emissionen und mehr Unfälle.“ Das Ökosystem der Ostsee sei bereits aus dem Gleichgewicht. Deshalb müsse die Schifffahrt auf dem ökologisch besonders sensiblen Gewässer schleunigst umweltfreundlicher und sicherer werden.

Hier und da passiert das auch: Den Anfang machte 2015 die schwedische Stena Line mit ihrer Fähre „Stena Germanica“, die zwischen Kiel und Göteborg pendelt und mit Methanol angetrieben wird. Die finnische Viking Line lässt ihre „Viking Grace“ mit LNG fahren und prüft den Einsatz von Brennstoffzellen. Die deutsche Meyer Werft hat an ihrem finnischen Standort Turku Ende Januar die LNG-Fähre „Megastar“ für die estnische Tallink-Reederei fertiggestellt. Umweltfreundlichere Schiffe mit modernen Antrieben und Filtersystemen zahlen sich für Reeder schon jetzt aus, wenn sie den Hafen von Göteborg am Ostsee-Zugang Kattegat anlaufen. Göteborg gewährt ihnen deutliche Rabatte bei den Liege- und Servicegebühren.

Doch bisher fahren erst verschwindend wenige Schiffe mit alternativen Antrieben. Neubau oder Umrüstung sind teuer, und die Banken halten sich angesichts zahlloser Schiffspleiten in den letzten Jahren zurück.

>> Lesen SIe im nächsten Teil, wie Hacker den Schiffsverkehr bedrohen

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