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Wasserqualität : Nitrat im Trinkwasser - nur Panikmache?

vom
Aus der Onlineredaktion

Bauernverband kritisiert Wasserversorger

von
erstellt am 08.Aug.2017 | 06:00 Uhr

Der Deutsche Bauernverband hat den deutschen Wasserversorgern wegen ihrer Warnungen vor einer Gefahr für das Trinkwasser Verunsicherung vorgeworfen. „Der BDEW wärmt erneut alte, längst widerlegte Behauptungen zur Entwicklung der Nitratgehalte im Grundwasser neu auf. Richtiger werden die Aussagen durch Wiederholungen nicht“, erklärte ein Sprecher des Verbandes gestern gegenüber unserer Berliner Redaktion. Offenbar wolle die Wasserwirtschaft damit die Verbraucher ungerechtfertigt verunsichern. Die Qualität des Grundwassers in Deutschland wird nicht immer schlechter, so der Bauernverband. Das Gegenteil sei der Fall. Immer mehr Messstellen wiesen geringere Nitratgehalte im Grundwasser auf. Dies weise eindeutig auch der Nitratbericht 2016 der Bundesregierung nach.

Die deutschen Wasserversorger, der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) hatten gestern ihre Sorge vor einer zunehmenden Nitratbelastung des Trinkwassers geäußert und als Hauptverursacher für die hohen Werte die Landwirtschaft verantwortlich gemacht und vor deutlich höheren Preisen für Trinkwasser gewarnt. Laut Bauernverband wird dagegen der Nitrat-Schwellenwert von 50 Milligramm pro Liter in 82 Prozent der über 1200 Grundwassermessstellen in Deutschland des Messnetzes der europäischen Umweltagentur nicht erreicht oder gar überschritten. Auch die Tierhaltung als Verursacher immer wieder als Verursacher zu kritisieren, sei zu pauschal und lenke von den eigentlichen, anzugehenden Problemlösungen ab.

Kommentar von Andreas Herholz: Das Problem aussitzen
Nach dem Bundesumweltministerium schlagen nun auch die Versorger Alarm. Sollte sich nichts ändern an der hohen Nitratbelastung unseres Grundwassers, werden sich Deutschlands Verbraucher auf deutlich teureres Wasser einstellen müssen. Panikmache oder ein realistisches Szenario?
Man kann es drehen und wenden, wie man will: Die hohen Nitratwerte sind Folge einer Landwirtschaft, die den Markt zwar mit preisgünstigen Produkten versorgt, aber die langfristigen Kosten aus dem Blick verloren hat. Dass aus den Niederlanden auch noch massenhaft Gülle nach Deutschland importiert wird, weil die Vorschriften für das Ausbringen bei unseren Nachbarn strenger sind, macht die Sache komplett absurd. Und die Politik fährt weiter auf Sicht! Anstatt nach dem Verursacherprinzip vorzugehen und endlich klare Vorgaben zur Verminderung der Nitratbelastung auf den Weg zu bringen, will man das Problem offenbar aussitzen. Sollen doch die Wasserwerke selbst handeln, in neue Aufbereitungstechnik investieren und den Bauern Prämien dafür zahlen, dass sie weniger düngen! Überzeugend ist das alles nicht. Die Leidtragenden sind die Verbraucher.
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