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Neues „Familienzeitkonto“ : Mehr Flexibilität für Eltern bei der Arbeit?

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Kontroverse um Unionsvorstoß für neues „Familienzeitkonto“

Die Union prüft die Einführung sogenannter Familienzeitkonten. Der Vorschlag der Frauen Union ist bereits Teil des gemeinsamen Wahlprogramms von CDU und CSU. Die Idee: Eltern sollen mehr Souveränität über ihre Zeit erhalten – über bestehende Modelle wie Elternzeit oder Familienpflegezeit hinaus. „Wir setzen uns für eine flexiblere Gestaltung der Arbeitszeit im Lebensverlauf ein”, heißt es im Konzept der Frauen Union, das unserer Redaktion vorliegt.

Konkret: Auf dem Familienzeitkonto sollen gesetzlich garantierte Zeitguthaben für Erziehung und Pflege zusammengeführt und flexibel in Anspruch genommen werden können. Auch an eine Übertragung zwischen Vater und Mutter ist gedacht. Das Ganze will die Union mit betrieblichen Lebensarbeitszeitkonten kombinieren.

Mehr Kindergeld, höhere Freibeträge, eine neue Eigenheim-Förderung für Kinder und nun noch das „Zeitkonto” – im Bundestagswahlkampf entdeckt die Union die Familien neu. Ginge es nach Annette Widmann-Mauz (CDU), der Vorsitzenden der Frauen Union, würden die Familienzeitkonten nach der Bundestagswahl zügig eingeführt: „Das Familienzeitkonto hilft Familien in jeder Lebensphase“, erklärte sie.

Der Vorstoß der Union stößt auf ein geteiltes Echo. „CDU und CSU haben in den letzten Jahren konsequent alle unsere Vorstöße für mehr Flexibilität von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern blockiert. Das reicht von einem Rückkehrrecht von Teilzeit in Vollzeit bis zur Einführung einer wirklich durchdachten Familienarbeitszeit“, erklärte Bundesfamilienministerin Katarina Barley (SPD) gestern im Gespräch mit unserer Redaktion. „In jeder Lebenslage, auch für Alleinstehende oder ältere Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, sollte die Möglichkeit bestehen, sich eine Auszeit zu nehmen.“ Das gelte für ehrenamtliches Engagement, für Weiterbildung oder andere persönliche Entwicklungen. „Dass die Union sich jetzt mehr Flexibilität auf die Fahnen schreibt, ist ein unglaubwürdiges und durchsichtiges Wahlkampfmanöver“, so SPD-Politikerin Barley.

Die Reaktionen in der Wirtschaft fallen unterschiedlich aus. Während das Handwerk Zustimmung signalisiert, geht der Arbeitgeberverband Gesamtmetall auf Distanz. „Was da gefordert wird, gibt es längst in den Tarifverträgen der Metall- und Elektro-Industrie“, so Hauptgeschäftsführer Oliver Zander im Gespräch mit unserer Redaktion. „Stattdessen muss der Gesetzgeber endlich die Tages- auf die Wochenarbeitszeit umstellen und die überlangen Ruhezeiten reduzieren, damit die Familien die Flexibilität bekommen, die sie brauchen.“

Bei den Gewerkschaften stoßen die Pläne der Union auf Ablehnung. „Dass die CDU zu diesem Zweck nun staatlich verwaltete Arbeitszeitkonten plant, ist nicht mehr als ein leeres Wahlkampfversprechen“, so Elke Hannack, stellvertretende Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB). Die Union hätte in dieser Legislaturperiode besser den Anspruch auf Rückkehr aus Vollzeit und auf befristete Teilzeitarbeit umsetzten sollen. „Was mit einem Arbeitszeitkonto erreicht werden soll, das beim Finanzamt oder bei der Rentenversicherung verwaltet wird und die unterschiedlichsten Ansprüche miteinander vermischt, erschließt sich mir nicht“, so die DGB-Vize.

Kommentar von Rasmus Buchsteiner: Nette Idee
Die Politik hat in den Vorjahren wichtige Weichen für Familien gestellt: Elterngeld und Elternzeit haben sich bewährt. Für pflegende Angehörige gibt es mittlerweile vielfältige Möglichkeiten, vorübergehend kürzerzutreten, um Verantwortung für Eltern oder Schwiegereltern zu übernehmen. Da ist noch einiges mehr möglich und wünschenswert. Ein Familienzeitkonto mag eine nette Idee sein. Aber der Vorschlag ist konzeptionell dünn, müsste konkretisiert werden. Der Nutzen bleibt vorerst nebulös.


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erstellt am 14.Jul.2017 | 20:45 Uhr

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