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Fragen und Antworten : Mehr Beiträge für Rentenreform?

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Antworten auf die wichtigsten Fragen zum Streit über die Zukunft der Altersvorsorge.

svz.de von
erstellt am 18.Mai.2016 | 08:00 Uhr

Bis zum Herbst will die Große Koalition ein Rentenkonzept vorlegen – und damit auch auf die Probleme bei der privaten Altersvorsorge reagieren. Während aus der Koalition sowie von Opposition und Gewerkschaften die Forderung nach einer Stabilisierung des Rentenniveaus laut wird, warnt die Wirtschaft, „neue Fehler in der Rentenpolitik“ zu begehen. Auf keinen Fall dürfe die Entscheidung des Gesetzgebers, das Rentenniveau weiter sinken zu lassen, korrigiert werden, so die Bundesvereinigung Deutscher Arbeitgeberverbände (BDA). Fragen und Antworten zum Streit über die Zukunft der Altersvorsorge.

Wie stark wird das Rentenniveau ohne Reform sinken?

Für den fiktiven „Eckrentner“ – der 45 Jahre eingezahlt und einen Durchschnittsverdienst hatte – beträgt das Rentenniveau 47,5 Prozent des Arbeitnehmerlohns nach Abzug der Sozialabgaben. Laut Rentenversicherungsbericht wird es schrittweise sinken – auf 46 Prozent im Jahr 2020 und schließlich 44,6 Prozent im Jahr 2029. Bis 2030 darf das Rentenniveau laut Gesetz nicht unter 43 Prozent sinken.

Nach Berechnungen des arbeitgebernahen Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW) wird der Rückgang geringer ausfallen als von der Bundesregierung angenommen. Deren Berechnungen gehen schließlich von 45 Beitragsjahren aus. Wegen der Verlängerung der Lebensarbeitszeit werde sich 2029 jedoch ein Sicherungsniveau von 46,6 Prozent ergeben.

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Wie teuer wäre es, das Rentenniveau zu stabilisieren?

Sehr teuer! Nach der gestern vorgestellten IW-Studie wären zur Fixierung des Rentenniveaus auf dem heutigen Stand allein im Jahr 2029 rund 28 Milliarden Euro mehr erforderlich als bislang kalkuliert. Bei einer Anhebung auf 50 Prozent könnten sich die zusätzlichen Belastungen für die Beitragszahler auf 52 Milliarden Euro belaufen. Der Beitrag zur gesetzlichen Rentenversicherung – derzeit 18,7 Prozent – müsste dann auf 25 Prozent steigen. Derzeit ist eine Obergrenze von 22 Prozent gesetzlich festgeschrieben.

Bei einer Anhebung um einen Prozentpunkt müsste ein Arbeitnehmer mit einem Monatseinkommen von 2000 Euro monatlich zehn Euro mehr in die Rentenkasse einzahlen, ebenso sein Arbeitgeber.

Wie lange reichen die Renten-Rücklagen noch aus?

Noch ist die „eiserne Reserve“ groß. Die Rücklage der gesetzlichen Rentenversicherung ist seit Ende vergangenen Jahres um rund 1,5 auf 32,6 Milliarden Euro gesunken. Das Defizit der gesetzlichen Rentenversicherung könnte im laufenden Jahr 2,9 Milliarden Euro betragen. Entsprechend schwinden die Rücklagen – eine Entwicklung, die sich auch in den nächsten Jahren fortsetzen dürfte.

Bis 2021 wird sich das Polster unter anderem wegen der Mehrausgaben für das schwarz-rote Rentenpaket (Mütterrente, Rente mit 63 u. a.) bis auf 0,2 Monatsausgaben verringern. Dann müsste der Rentenbeitrag in Deutschland steigen.

Wird Altersarmut zunehmend zum Problem?

Sozialverbände warnen davor, dass trotz steigender Renten die Gefahr von Altersarmut keineswegs gebannt ist. Verantwortlich dafür sei unter anderem das weiter sinkende Rentenniveau. Nach Berechnungen des Bundesarbeitsministeriums müssen Durchschnittsverdiener – 2900 Euro brutto im Monat – rund 30 Jahre für einen Rentenanspruch auf Hartz-IV-Niveau arbeiten. Rund 536 000 Menschen erhalten derzeit Grundsicherung im Alter, weil ihre Rentenansprüche nicht das Existenzminimum abdecken. Um das Problem von Altersarmut zu minimieren, plant die Große Koalition, Renten von Geringverdienern mit zunächst 35, später 40 Beitragsjahren aufzustocken.

An welchen Renten-Stellschrauben will die Große Koalition drehen?

Angesichts der Kosten ist es fraglich, ob Union und SPD sich entscheiden, Maßnahmen zur Stabilisierung des Rentenniveaus auf den Weg zu bringen. Die Lebensleistungsrente soll dagegen Anfang 2017 starten. Auch über einen staatlichen Betriebsrenten-Zuschuss herrscht Konsens.

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