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Berliner Flughafen : Mehdorns Geheimnis

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Fünf Jahre Verspätung am Hauptstadtflughafen? / Wann wirklich Jets starten, weiß nur einer – wenn überhaupt

Hartmut Mehdorn hat ein Geheimnis. Der Chef des neuen Hauptstadtflughafens spricht oft darüber, aber er enthüllt es nicht. Dazu, wann der drittgrößte deutsche Flughafen endlich startklar ist, sagt der 71-Jährige: „Es gibt einen sehr präzisen Zeitplan, der quasi tagesgenau ist. – Ist allerdings ein interner.“

Mehdorn sagt das in einem Moment, in dem sein Aufsichtsrat in einer Sondersitzung sehr ernste Fragen hatte. Der Druck könnte kaum größer sein. Doch Mehdorn hütet sein Geheimnis. Der Aufsichtsratschef, Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD), steht daneben und verzieht keine Miene.

Seit 15 Monaten führt Mehdorn die Flughafen Berlin Brandenburg GmbH. Seither vertröstet er alle mit dem Termin zum Termin – dem Tag, an dem er ein Datum für den Start des Flughafens nennt.

Mehdorn fürchtet die „Häme“, wenn es dann doch nicht klappt. Das gibt er zu. Doch je länger er schweigt, desto weniger ist nachvollziehbar, woher der frühere Bahnchef seine Gewissheit nimmt: Die Umbauarbeiten an der Brandschutzanlage? Noch nicht mal begonnen. Schallschutzfenster für tausende Anwohner? Erst bei wenigen eingebaut. Baukosten? Dürften auf weit über fünf Milliarden Euro wachsen. Finanzierung? Auf immer wackligeren Füßen.

Optimisten glauben noch, dass 2016 die ersten Flugzeuge vom BER abheben – geplant war Ende 2011. Und jetzt noch die Korruptionsaffäre um Jochen Großmann. Der Technikchef soll für die Vergabe eines Planungsauftrags vom Bewerber eine halbe Million Euro verlangt haben. Staatsanwälte ermitteln, Spezialisten durchforsten die Akten nach weiteren Fällen. „Sie können sich vorstellen, dass wir mit einem besonders engen Kamm überall durchkämmen und nach Knoten suchen“, gibt Mehdorn den Kämpfer - und ist doch hilflos: „Betroffen“, „enttäuscht“, „traurig“, sei er über das, was Großmann dem Flughafen „angetan hat“. Ungewohnte Worte von dem Mann, der große Stücke auf seine Macher-Qualitäten hält.

Aufsichtsratschef Wowereit seufzt, er hoffe, dass sich aus der Affäre kein Verzug ergebe. Doch wie soll das gehen, wenn neben Großmann auch 15 seiner Ingenieure zumindest vorerst Baustellenverbot haben? Schließlich laufen bei ihnen alle Fäden zusammen, und ihr Konzept will Mehdorn auch weiterverfolgen.

Und was, wenn sich noch mehr Korruptionsfälle finden? Was, wenn unterlegene Firmen die Vergabeverfahren angreifen? Wowereit selbst sagt, dass die Korruptionsaffäre der Terminfrage ein weiteres Fragezeichen hinzufügt. Dabei sollen solche Sondersitzungen immer auch Handlungsfähigkeit symbolisieren. Diese Sitzung hat noch eine Botschaft: den Schulterschluss. Wowereit tritt mit Mehdorn vor die Kameras und stärkt ihm den Rücken. Denn eine Alternative zu dem 71-Jährigen ist nicht in Sicht. Wowereit braucht ihn, soll seine SPD bei der Wahl 2016 nicht untergehen. Doch dazu muss Mehdorn auch Erfolge vorweisen - am besten, indem er sein Termin-Geheimnis lüftet. Das will er Ende des Jahres tun, hatte der erfahrene Manager vor einigen Wochen angekündigt. Doch derlei Ankündigungen sind schon mehrfach verpufft. „Wir sind am Ende eines Prozesses“, bekräftigt Mehdorn auch am Montag. „Wir sehen das Ende.“ Alles andere bleibt intern.

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