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Flughafen BER : Mehdorn wirft hin

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Der Manager kapituliert vor dem Klima des Misstrauens um das Projekt Hauptstadtflughafen

Tatsächlich: Es gibt den Tag, an dem auch einer wie Hartmut Mehdorn die Nase voll hat. Vorbei die Scherze, mit der der knorrige Manager gern seine Hartleibigkeit zur Schau stellte, zum Beispiel: „Ich gehöre zu den kleinen Dicken, die was aushalten.“ Chef am neuen Hauptstadtflughafen – das ist eine der härtesten Aufgaben, die die Republik Managern zu bieten hat. Man hat Mehdorn das in den vergangenen Wochen angesehen. Nun ist der Posten wieder zu vergeben. Nach 21 Monaten auf der berüchtigten Baustelle in Berlin Schönefeld wirft der 72-jährige Mehdorn hin, er kapituliert vor dem Klima des Misstrauens, das das Projekt umgibt – das für manchen Politiker noch immer Spielball war, um tagesaktuell Punkte zu sammeln. Doch auch Mehdorn hat dieses Klima mit herbeigeführt. Nun wird ein fähiger Nachfolger schwer zu finden sein.

„Sie haben mich geholt, jetzt müssen sie mich auch aushalten“, tönte Mehdorn, als Brandenburgs Regierungschef Matthias Platzeck (SPD) und Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) ihn im vorvergangenen Frühjahr als ihren neuen Mann in Schönefeld präsentierten. Da lachten die damaligen Länderchefs. Doch dem Napoleon-Bewunderer Mehdorn war es ernst, er ging tollkühn ans Werk. Sein erster Tabubruch kam am ersten Arbeitstag: Lasst uns den Flughafen Tegel offen halten! Da hatte er sich die ersten Feinde gemacht. Es folgten Reibereien um den Schallschutz für die Anwohner, die im dicht besiedelten Umfeld des neuen Großflughafens an der Berliner Stadtgrenze nicht gut ankamen – und die vor allem brandenburgische Politiker aufbrachte, vor der Landtagswahl im September.

Immer wieder fühlten sich Aufsichtsräte von Mehdorn unzureichend informiert. Ein Bericht des Bundesrechnungshofs vom Frühjahr ließ sich auch so verstehen, als ließen sie sich mitunter von dem erfahrenen Manager an der Nase herumführen. Mehdorns neueste Ideen lasen sie zuerst in der Zeitung, darunter einen Testbetrieb in einem Seitenflügel des neuen Terminals – den der Aufsichtsrat stoppte. Doch auch Mehdorn musste erfahren, dass ihm immer wieder Verantwortliche Knüppel zwischen die Beine warfen. „Insgesamt hat es Mehdorn uns nicht immer leicht gemacht, aber wir haben es ihm auch nicht immer leicht gemacht“, bekennt Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD).

Vor allem der Bund war schlecht auf Mehdorn zu sprechen, weil er im internen Machtkampf Horst Amann wegbiss, den Technikchef, den das Bundesverkehrsministerium vor Mehdorns Engagement als Hoffnungsträger geholt hatte. Ein Rücktritt aber kam für Mehdorn nie infrage. „Die Frage überspringen wir, weil das nie stattfindet“, sagte er einmal.

Es wird diese Eskalation im Streit um eine externe Überprüfung von Mehdorns Arbeit gewesen sein, die den Unbeugsamen zum Rücktritt brachte. Er warf dem Ministerium „Inquisition“ vor. 

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