Waren : Mega-Antrieb für Mega-Schiff

Schiffspropeller auf dem Gelände von MMG in Waren warten auf den Abtransport nach Südkorea.
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Schiffspropeller auf dem Gelände von MMG in Waren warten auf den Abtransport nach Südkorea.

Mecklenburger Metallguss in Waren gießt erstmals Propeller von 10,40 Meter Durchmesser.

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20. März 2015, 13:20 Uhr

Premiere in der Mecklenburger Metallguss GmbH (MMG): Der Hersteller von Schiffspropeller hat erstmals eine Schiffsschraube mit einem Durchmesser von 10,40 Metern gegossen – das gab es bisher in Waren noch nie. Im Juni dieses Jahres soll der gigantische Propeller an eine südkoreanische Werft ausgeliefert werden. Er wird künftig ein 19 400-TEU-Containerschiff antreiben. Nach Angaben von Manfred Urban, Geschäftsführer von MMG, werden sieben weitere Propeller dieses Typs folgen. Jeder einzelne wiegt 120 Tonnen. Allein vier Wochen benötigten die Spezialisten von MMG zum Bau der hausgroßen Gussform. In 400 Tonnen Quarzsand wurde der Hohlraum für den Mega-Propeller ausgeformt. Beim Premierenguss flossen insgesamt 185 Tonnen flüssiges Metall, das im Schmelzofen auf 1200 Grad Celsius erhitzt worden war, in die Form. Die Metalllegierung setzt sich zusammen zu 80 Prozent aus Kupfer und neun Prozent Aluminium sowie zu je fünf Prozent Nickel und Eisen und einem Prozent Mangan.

Akribisch wie bei jedem Abguss eines Propellers in der Gießerei von MMG hatte sich die Schmelzer-Crew auf die Premiere des neuen Typs vorbereitet. „Hat der Abguss begonnen und die Schmelze fließt in die Form, gibt es kein Zurück mehr. Es darf auch keine einzige Unterbrechung geben“, schildert Obermeister Christian Mund die besondere Herausforderung beim Gießen. Die Männer in ihren grau-silbrigen Hitzeschutzmänteln beherrschen das traditionelle Handwerk. „Wir bringen die Urgewalt von 1200 Grad heißem, flüssigem Metall in Form. Diesen komplexen Prozess zu beherrschen, ist ein erhebendes Gefühl“, schwärmt der 42-jährige Obermeister für die tonnenschweren „Schönheiten“, die von den 60 Mitarbeitern in der Gießerei erschaffen werden.

Im Unternehmen MMG, das seit 1999 zur DIHAG Holding Essen gehört, einem deutschlandweiten Verbund von zehn Gießereien, werden überwiegend Schiffspropeller mit einem durchschnittlichen Gewicht von 75 Tonnen gefertigt. In den letzten Jahren wuchsen die Propeller mit den Schiffsgrößen. Containerschiffe mit mehr als 19 000 Standardboxen (TEU) Ladekapazität sind gegenwärtig das Nonplusultra im Schiffbau. Die großen Containerreedereien haben auf asiatischen Werften eine Vielzahl dieser Megaschiffe geordert. Seit Mitte der 90er-Jahre konzentriert sich der weltweite Bau von Containerschiffen in Fernost. „Der hiesige Markt brach damals weg. Also gingen wir dorthin, wo fortan im Schiffbau die Musik spielte“, erinnert der 60-jährige Geschäftsführer Urban, der seit 35 Jahren in der Firma tätig ist, an den damaligen Umbruch auf dem Schiffbaumarkt. MMG liefert seither die Schiffspropeller vorrangig nach Südkorea. 2014 wurden 127 Schiffsantriebe in Waren produziert. „In diesem Jahr peilen wir 150 Propeller an“, kündigt Urban an. Der Umsatz des Unternehmens mit 251 Mitarbeitern soll von knapp 85 Millionen Euro auf 100 Millionen steigen.

In der DIHAG-Gruppe ist MMG laut Urban der umsatzstärkste Betrieb und gilt als „Exot“, da die anderen vor allem Eisenguss betreiben. In Waren werden jährlich 12 000 Tonnen hochwertige Metallrohstoffe verarbeitet. Das Unternehmen profitiert dabei nicht nur vom Boom der Mega-Containerschiffe, generell hat der Schiffbau wieder angezogen. So werden Propeller von MMG verstärkt für neue Produktentanker bestellt. Aber auch bei der Modernisierung vorhandener Schiffe sind die Warener gut im Geschäft. Mit einem speziellen Re-Design-Programm für Propeller erhöhen sie die Effizienz der Schiffsantriebe, was den Reedereien erhebliche Kosteneinsparungen beim Treibstoffverbrauch beschert.

Nach der jüngsten Premiere für den 10,40-Meter-Riesen erwartet MMG in diesem Jahr eine weitere Premiere. In der großen Bearbeitungshalle wird im Juli erstmals ein Konzert im Rahmen der Festspiele MV veranstaltet. Eine Percussion-Performance, in der auch Schiffspropeller zum Klingen gebracht werden. 


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