Bahnverkehr : Max Maulwurf muss wieder ran

Die ICE-Strecke Hannover-Kassel gilt als wichtige Nord-Süd-Verbindung
Die ICE-Strecke Hannover-Kassel gilt als wichtige Nord-Süd-Verbindung

Eine wichtige Nord-Süd-Verbindung im Bahn-Fernverkehr ist so marode, dass sie möglicherweise kurzfristig gesperrt werden muss

svz.de von
31. März 2016, 20:45 Uhr

Max Maulwurf ist an sich ein lustiger Geselle. Mit Helm, Warnweste und Spaten ist das lächelnde Maskottchen immer dabei, wenn die Bahn Baustellen ankündigt. Den „knuffigen Wühler“ (Bahn) gibt es sogar als Schlüsselanhänger und Kuscheltier. Doch wenn Max Maulwurf naht, wird es für Fahrgäste meist ungemütlich: Umleitungen, Verspätungen, Ersatzverkehr – so wie wohl in Kürze auf der wichtigen Nord-Süd-Verbindung Hannover-Kassel, wo der Schotter im Gleisbett in die Jahre gekommen ist und nicht mehr ordentlich federt.

Ob die erwogene Vollsperrung Ende April kommt, ist noch offen. Aber die Bahn-Kunden werden sich auch anderswo an Max Maulwurf gewöhnen müssen: Die Bahn hat versprochen, pünktlicher zu werden, und geht dafür auch die maroden Stellen im Netz an. Der bundeseigene Konzern steht unter Erfolgsdruck. Erstmals seit zwölf Jahren gab es 2015 rote Zahlen. Mehr Pünktlichkeit ist für Vorstandschef Rüdiger Grube einer der wichtigsten Pfade zurück in die Gewinnzone.

Es gibt dabei ein hässliches Wort, das Bahner so ungern aussprechen, dass sie es lieber abkürzen: La-Stellen. Gemeint: Langsamfahrstellen – Streckenabschnitte, wo Züge das Tempo drosseln müssen, weil Schienen und Gleisbett nicht in Ordnung sind. Einige sind längst im Fahrplan berücksichtigt – die Fahrgäste bemerken nicht einmal mehr, dass sie länger unterwegs sind als eigentlich geplant.

Ende April muss die Bahn dem Eisenbahn-Bundesamt wie jedes Jahr mitteilen, wie weit sie damit gekommen ist, die Probleme abzustellen.

Der letzte Bericht listet bundesweit noch 1445 Infrastrukturmängel auf, die älter sind als ein halbes Jahr. Rechnerisch sind die Züge demnach jeden Tag insgesamt 35 Stunden länger unterwegs als nötig – Baustellen noch nicht eingerechnet.

Doch das ist schon ein Fortschritt. Denn fünf Jahre zuvor gab es ein Fünftel mehr Mängel und zehn Stunden mehr Verzug. Das Problem ist längst erkannt: Die Bahn hat nach eigenen Angaben das größte Programm zur Infrastrukturmodernisierung ihrer Geschichte begonnen. Von 2015 bis 2019 sollen insgesamt 28 Milliarden Euro in das Netz fließen.

Davon kommen 16,6 Milliarden Euro vom Eigentümer Bund, der seinen Zuschuss aufgestockt hatte, nachdem Konzernchef Grube einen großen „Investitionsstau“ bei dem Unternehmen diagnostiziert hatte.

Denn dass die Bahn Marktanteile an Fernbusse und das Auto verloren hat, liegt nicht nur am günstigen Spritpreis. Im vergangenen Jahr kam jeder vierte Fernzug sechs Minuten oder mehr zu spät und gilt damit nach Bahn-Zählweise als unpünktlich. Dieses Jahr soll es nur noch jeder fünfte sein, verspricht der Konzern. Dann würde nur noch etwa jeder zehnte Anschlusszug verpasst. „Investitionen in mehr Qualität sind der zentrale Schlüssel zu mehr Kunden und die Voraussetzung für mehr wirtschaftlichen Erfolg“, sagt Grube. Im 33 000 Kilometer langen Bahnnetz wird in diesem Jahr an bis zu 850 Stellen gleichzeitig gearbeitet, deutlich mehr als 2015.

Betroffen ist jeder zehnte Schienenkilometer. Weichen, Schwellen und Brücken werden erneuert oder instand gesetzt.

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