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Wirtschaft : „Made in East-Germany“ für Iran

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Seit der Westen sein Embargo lockerte, wittern Geschäftsleute ein großes Geschäft – auch ostdeutsche Firmen wollen mitmischen

svz.de von
erstellt am 31.Mai.2016 | 05:00 Uhr

Zwischen Ostdeutschland und Teheran liegen gut 3400 Kilometer Luftlinie. Doch die gefühlte Distanz war zeitweise noch viel größer. Als der Westen 2006 im Konflikt um die Atompolitik des Irans die Daumenschraube der Wirtschaftssanktionen anzog, schien das frühere Persien für viele deutsche Firmen unerreichbar. Diese Zeit ist vorbei. Die Deutsch-Iranische Industrie- und Handelskammer spürt es an einer Flut von Anfragen.

Auch ostdeutsche Wirtschaftsdelegationen sind dieser Tage im Iran unterwegs. Nach Thüringen sind seit Sonntag Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen und Sachsen-Anhalt vor Ort, um die Lage zu sondieren. Die drei Länder treten gemeinsam auf. Peter Nothnagel, Chef der sächsischen Wirtschaftsförderung, sieht im gemeinsamen Auftritt einer mehr als 100-köpfigen Delegation einen Vorteil: „Da wird man ganz anders wahrgenommen.“ Nothnagel weiß, dass der Iran seine Wirtschaft modernisieren muss, um mit anderen aufstrebenden Nationen Schritt zu halten. Das Embargo habe zu einem Sanierungs- und Investitionsstau geführt: „Der Iran kann eigentlich alles gebrauchen.“

Iraner gelten als solide Geschäftsleute. Nach Aufhebung von Sanktionen sind auch die eingefrorenen Auslandskonten wieder flüssig. Trotzdem sind noch Hürden zu überwinden. Bislang ist der Iran an kein internationales Zahlungssystem wie Swift angeschlossen. Außerdem gibt es noch unterschiedliche Ansichten zum Umgang mit Altschulden.

Die Viela Export GmbH aus Brünzow in Mecklenburg-Vorpommern macht hier schon seit Jahren Geschäfte. „Das sind verlässliche Partner“, sagt Geschäftsführer Henning Bligenthal. Er ist erstmals in den Iran gekommen, um die bestehenden Kontakte zu erweitern: „Das steckt ja alles noch in den Kinderschuhen“. Zuletzt hat das Logistikunternehmen vor allem Getreideexporte in den Iran gemanagt. Auch Import kann sich Bilgenthal vorstellen. Das Geschäft läuft über französische Banken.

„Im Iran wird es keinen Markteinstieg über Nacht geben, schon gar nicht für Klein- und Mittelständler“, sagt Nothnagels Kollege Gunter Lämmerzahl. So etwas dauere mindestens drei Jahre. Lämmerzahl war unlängst schon einmal mit einer Delegation des sächsischen Landwirtschaftsministeriums im Iran. Dabei hat er Vergangenheit und Zukunft gleichermaßen erlebt. Beim Besuch einer Traktorenfabrik fühlte er sich „wie im Museum“. Andererseits lernten die Sachsen ein Unternehmen kennen, das Pralinen herstellt und Technik vom Feinsten besaß. Da habe man so gar nichts von einem Embargo gespürt, meint Lämmerzahl.

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