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Probleme im Fernbus-Geschäft : Lüdenscheid-Venedig im Fernbus

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Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Fernbus-Branche wird erwachsen: Erst seit wenigen Jahren unterwegs machen sie vor allem der Bahn Konkurrenz. Doch es gibt Probleme.

svz.de von
erstellt am 10.Jan.2017 | 06:00 Uhr

Die Fernbusse auf deutschen Straßen haben sich etabliert. 25 Millionen Passagiere werden wohl 2016 mit der deutschen Fernbus-Flotte unterwegs gewesen sein. Der Markt ist hart umkämpft. Viele haben's versucht, manche sind gescheitert, andere wurden geschluckt, einer hat den Markt im Griff. Zum gestrigen Treffen der Bustouristikbranche in Bremen, zum Markt und zu Anbietern wichtige Fragen und Antworten von Helmut Reuter.

Wer hat das Sagen im Fernbus-Markt?

Seit 2016 definitiv heißt der unangefochtene Marktführer FlixBus. Marktanteil: etwa 80 Prozent. Das Unternehmen, das als Start-up begann, übernahm im Vorjahr den jungen Rivalen Megabus und die Nummer drei, Postbus. Seit 2015 sind die grünen Busse auch international unterwegs. Seit der Gründung nutzten 60 Millionen Fahrgäste FlixBusse, allein 2015 waren es europaweit 20 Millionen Fahrgäste. 2016 werden es nach Unternehmensangaben wohl 30 Millionen sein. Das Unternehmen zählt über 1000 Beschäftigte. Hinzu kommen mehr als 5000 Fahrer bei rund 250 regionalen Buspartnern, davon 150 in Deutschland.

Was sind die Probleme?

Für Kunden ist es an vielen Orten oft nicht ganz so entspannt, in die Fernbusse einzusteigen. Kein Dach, keine Toiletten, nichts zum Sitzen: An vielen Fernbusbahnhöfen im Land ist das Reisen wenig bequem. Hitzig debattiert wird über die Einführung einer Fernbus-Maut, mit der auch die Infrastruktur finanziert und verbessert werden soll. Der Vorsitzende des Verkehrsausschusses im Bundestag, Martin Burkert (SPD), nennt für die Maut 0,4 Cent pro Fahrgast und Kilometer als Richtgröße. „Ich glaube, die Menschen wären bereit, das zu zahlen, wenn sie dafür eine vernünftige Businfrastruktur, also etwa ordentliche Busbahnhöfe mit Kiosk und Toiletten bekämen“, sagte er gerade erst.

Und die anderen Busunternehmen?

Es gibt rund 4000 Busunternehmen in Deutschland. Der Internationale Bustouristik Verband RDA konstatierte in den vergangenen Jahren einen „enormen Image-Gewinn“ für die Branche durch die Fernbusse, die die Busse vom verstaubten Verkehrsmittel für Ältere zur hippen Alternative auch für die jüngere Generation machten. Mit Sorge betrachtet man in der Branche das zunehmende Engagement von FlixBus im Mietomnibusgeschäft, bei dem etwa der Kegelverein einen Bus für seine Tour mietet. Das ist eigentlich die Domäne lokaler Busanbieter.

Wer ist die Konkurrenz?

Im Wettbewerberfeld treten weniger Fernbusse gegen Fernbusse an. Die Linie verläuft eher zwischen Straße, Schiene und Luft, also Bus, Bahn und Billigflieger. Die Bahn hatte 2016 mit Fahrschein-Angeboten für 19 und 29 Euro auf die Konkurrenz reagiert und dadurch im ersten Halbjahr die Fahrgastzahlen in den ICE- und Intercity-Zügen um 10,6 Prozent auf 66,7 Millionen erhöht.

Wird das Streckennetz ausgedünnt?

Das ist schwer abzusehen. Bundesweit gibt es knapp 300 Fernbuslinien mit wöchentlich etwa 4200 Hin- und Rückfahrten. Zumindest der Marktführer setzt auf Expansion. „Schon jetzt sind Strecken wie Lüdenscheid-Venedig oder Freilassing-Wien im Netz, direkt und ohne Umstieg. Bis zum Frühjahr kommen nochmal 50 neue Klein- und Mittelstädte hinzu, zum Teil mit internationaler Anbindung“, verspricht André Schwämmlein, Gründer und Geschäftsführer von FlixBus.

 
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