Afrikanische Schweinepest in Osteuropa : Lidl bringt Schweinehalter in Rage

Völlig unbelastet? Deutsche Landwirte sehen die Lidl-Wurst wegen der Afrikanischen Schweinepest skeptisch.
Völlig unbelastet? Deutsche Landwirte sehen die Lidl-Wurst wegen der Afrikanischen Schweinepest skeptisch.

Discounter bietet ausgerechnet jetzt Wurstspezialitäten aus Polen an

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18. Februar 2018, 21:00 Uhr

Am besten einen Haufen Gülle vor die nächste Lidl-Filiale kippen – diesen Wunsch hegt derzeit so manch ein deutscher Schweinebauer. Der Discounter hat die Branche mit seinem aktuellen Angebot osteuropäischer Spezialitäten vor den Kopf gestoßen, mit Produkten wie Polnischer Rohwurst der Lidl-Eigenmarke „Kuljanka“. In den Augen der Landwirte ist das wegen der Afrikanischen Schweinepest (ASP), die im Nordosten Polens kursiert, ein Unding.

Die Schweinebauern fürchten, dass das Virus per Wurstimport auch nach Deutschland kommen könnte. An der Aufregung ist das Bundeslandwirtschaftsministerium wohl nicht ganz unschuldig: Hier wird davor gewarnt, dass Fernfahrer und Saisonkräfte aus Osteuropa infizierte Fleisch- und Wurstwaren mitbringen könnten. Wenn diese etwa an Raststätten auf die Wiese geworfen und dort von Wildschweinen gefressen würden, könne sich die Seuche ausbreiten.

Lidl verweist auf strenge Qualitätskontrollen und saubere Zulieferer, der Verband der Fleischwirtschaft warnt vor Panikmache, aber die Verwirrung und die Ängste hinsichtlich der Afrikanischen Schweinepest bleiben groß. „Wie soll Lidl zu 100 Prozent ausschließen, dass hier ein bereits erkranktes Schwein geschlachtet und verarbeitet wurde?“, kommentiert ein Leser auf der Website der Fachzeitschrift „Top Agrar“. Das Medium hatte das Lidl-Angebot als erstes thematisiert und damit den Nerv zahlreicher Tierhalter getroffen. „Die Landwirte sind derzeit alarmiert und sensibel bei dem Thema“, heißt es aus der „Top Agrar“-Redaktion, „es geht schließlich im Zweifel auch um die Existenz eines landwirtschaftlichen Betriebes“.

Denn obwohl es in Deutschland bisher keine Fälle der Afrikanischen Schweinepest gibt, sind die Zahlen aus Osteuropa alarmierend. Neuerkrankungen von Wild- und auch Hausschweinen werden vor allem in Litauen und Polen verzeichnet. „Dort wurden im Jahr 2015 insgesamt 1639 Fälle gemeldet – aktuell haben wir schon über 1000 Fälle in den vergangenen zwei Monaten“, sagt Elke Reinking, Sprecherin des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI), dem Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit. „Diese Ausbruchszahlen sind schon heftig, und ein Ende ist nicht in Sicht.“ Menschen erkranken generell nicht an dem Erreger.

Das Institut verweist darauf, dass nichts gegen normale Lebensmittel aus jenen Regionen in Polen spricht, die nicht betroffen sind. „Man müsste sich nur einmal vorstellen, in Nord-Deutschland gäbe es Fälle von Schweinepest, und in der Folge dürften auch süddeutsche Betriebe nichts mehr verkaufen“, argumentiert Reinking. „Aus den restriktierten Zonen in Polen kommt nichts raus, dafür sorgen die Veterinärbehörden vor Ort.“ EU-Regelungen legen fest, dass aus diesen Regionen kein Tier und kein Fleisch gebracht werden darf.

Darauf beruft sich auch Lidl. Der Rohstoff für die Wurstwaren stamme sowohl aus Zentral- als auch aus Osteuropa, teilte das Unternehmen mit. Und weiter: „In Ländern, die von der Afrikanischen Schweinepest betroffenen sind, beziehen wir ausschließlich Rohstoffe aus den sogenannten freien Gebieten, in denen gemäß dem Durchführungsbeschluss 2018/169 der Europäischen Kommission vom 1. Februar keine Beschränkungen aufgrund der ASP vorliegen. Zudem führen unsere Lieferanten beim Fleischrohstoff grundsätzlich strenge Qualitätskontrollen durch.“

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