Flugverkehr : Laptop-Verbot für EU-Passagiere

Europäer fürchten Laptop-Bann auf Flügen in die USA.
Europäer fürchten Laptop-Bann auf Flügen in die USA.

USA erwägen offenbar auch auf Flügen von Europa nach Nordamerika die Verbannung mobiler Computer. Die EU ist höchst verwundert.

svz.de von
13. Mai 2017, 08:00 Uhr

Washington hat die EU wieder einmal tief verärgert. Als die USA im März ein Laptop-Verbot für Flugreisende aus acht Ländern des arabischen Raums sowie aus Nordafrika erließ, glaubten sich die Europäer noch sicher. In dieser Woche verschärfte sich die Situation jedoch. Spekulationen von einer unmittelbar bevorstehenden Ausweitung der jüngsten Sicherheitsauflagen auch auf Flüge von Europa nach Nordamerika machten die Runde. Am Donnerstag tagte das Flugsicherheitskomitee der EU (EU AVSEC) in Brüssel, um zur Vorsicht schon mal die praktische Umsetzung zu diskutieren.

Wie tief die Verwunderung der EU-Kommission wirklich ist, verrät ein erst jetzt bekannt gewordenes Schreiben von Verkehrskommissarin Violeta Bulc und ihrem Kollegen Dimitris Avramopoulos, der für die innere Sicherheit zuständig ist. Sie forderten Mitte dieser Woche die US-Administration deutlich zu einem Treffen auf, das als „vordringlich betrachtet werden sollte, um auf politischer und technischer Ebene das Risiko zu bewerten und mögliche Maßnahmen zu prüfen“. Mit anderen Worten: Man hegt erhebliche Zweifel am Sinn der geplanten Vorschrift.

Es geht um eine Anweisung Washingtons vom März, der zufolge Reisende Laptops, Scanner, DVD-Spieler und andere größere elektronische Geräte vor dem Start abgeben müssen. Diese dürfen seither auf Flügen der großen Linien wie Etihad, Qatar Airways oder Emirates nur noch im Frachtraum mitgeführt werden – ein heftiger Rückschlag für Geschäftsreisende, die auf den Routen Richtung USA das Gros der Passagiere stellen. Bisher sind davon lediglich rund 50 Flüge pro Woche betroffen. Würden die US-Behörden den „E-Ban“ auf die EU ausweiten, kämen weitere 500 Flüge mit 100 000 Passagieren dazu. Es geht übrigens lediglich um Verbindungen der Airlines in die USA, nicht aber zurück.

Wie die Maßnahme technisch und organisatorisch umzusetzen wäre, erscheint derzeit schleierhaft. Die Airports stehen vor gewaltigen praktischen Hindernissen. Bisher dürfen Flughafen-Mitarbeiter den Fluggästen nicht zwangsweise elektronische Geräte abnehmen. Man bräuchte also spezielles Personal mit erhöhten Kompetenzen und zusätzliche Kontrollstellen. Auch längere Standzeiten der Jets, deutlich ausgeweitete Zeitfenster für das Einsteigen – all das käme wohl auf die Flughäfen zu.

In Brüssel hofft man jetzt, dass Washington zu Gesprächen bereit ist – zumal die Gefahr, dass Terroristen elektronische Geräte als Transportmittel für Sprengsätze benutzen, von den Sicherheitsdiensten höchst unterschiedlich bewertet wird. Ein anonymer Experte meinte in einem Fachforum des Internet: „Die Maßnahme macht sowieso keinen Sinn. Denn wenn ein Laptop explodiert, ist es kein Unterschied, ob er die Kabine oder den Frachtraum aufreißt.“ Arabische Airlines haben übrigens auf den Bann schnell reagiert. Um ihre Geschäftskunden nicht zu verlieren, verteilen sie neuerdings Tablet-Rechner an die Gäste der Premium- und Business-Klasse. Mit denen können sie in der Luft arbeiten und ihre Daten anschließend auf einem Stick mitnehmen.
 

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