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„My KuhTube“ : „Kuhle Videos“ aus dem Stall

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Im Internet-Portal „My KuhTube“ zeichnen ostfriesische Milchbauern als Kurzfilm-Stars ein ungeschminktes Bild der modernen Milchviehhaltung

svz.de von
erstellt am 16.Jan.2014 | 00:34 Uhr

Mit der Zunge die Nase putzen – was Menschen nicht schaffen, ist für Kühe ganz einfach. Und sie machen es besonders gern, wenn sie eine Portion Kochsalz geleckt haben. „Kochsalz ist ein Grundnahrungsmittel und regt den Stoffwechsel an“, erklärt Amos Venema vor laufender Kamera.

Der Milchbauer aus Jemgum in der Nähe von Leer und Brinkum ist waschechter Ostfriese und liebt seinen Beruf. Mit seinem Bruder Jan nutzt er jede Gelegenheit, um Laien den Alltag auf dem Bauernhof zu erklären. Dafür haben die Milchbauern ein eigenes Videoportal: „My KuhTube“ zeigt „Kuhle Videos aus dem Stall“ und soll ein ungeschminktes Bild der modernen Milchviehhaltung zeigen.

Diverse Lebensmittelskandale und Diskussionen über richtige Tierhaltung hätten die Verbraucher verunsichert, heißt es bei der Landesvereinigung der Milchwirtschaft Niedersachsen (LVN). Sie betreut das Projekt „My KuhTube“, das als vertrauensbildende Maßnahme gedacht ist: „Wir wollen das reale Leben und Arbeiten auf niedersächsischen Höfen zeigen“, sagt LVN-Sprecherin Jessica Kraack in Hannover. Denn die Verbraucher seien kritischer geworden. „Sie wollen wissen: Woher kommen meine Lebensmittel, und wie ist die Qualität?“

Nach dem Projektstart 2013 können Zuschauer 16 Milchbauern quer durch Niedersachsen bei der Arbeit begleiten. Jede Woche zeigen zwei neue Videos die Welt rund um den Kuhstall. „Guck mal, wer da kaut“, fragt etwa Landwirt Eike im Landkreis Rotenburg und erklärt, warum die Wiederkäuer im Stall liegen und unentwegt kauen, obwohl sie doch gerade nichts fressen.

Hier geht es zum Video

„Liebesglück aus dem Katalog“ beschreibt Helmut aus dem Landkreis Gifhorn das Thema Fortpflanzung. Gemeint sind aber keine Annoncen wie „Frau sucht Bauer mit Mähdrescher – Foto vom Mähdrescher erwünscht“.

Helmut verweist vielmehr auf Zuchtkataloge: „Heute können wir für jede Kuh den richtigen Partner finden.“ Und im Heidekreis zeigen die My-KuhTube-Landwirte Andrea und Diethelm, wie sich ein Melkroboter unter einem Kuhbauch automatisch und mit Kamerasteuerung den Weg von Zitze zu Zitze sucht.

Kühe sind neugierig – auch das lernen Zuschauer, wenn sie Amos Venema auf die Weide folgen. Dort gibt er den Tieren Unterricht an der Weidepumpe: Venema bewegt den Hebel so lange, bis die jungen Kälber den Dreh raushaben und es selbst mit der Nase probieren. In einem anderen Clip lassen sich Kühe an einer rotierenden Bürste ordentlich von Kopf bis Fuß durchschrubben. „Sie sollen immer top-gestylt in den Tag gehen – nun sitzt die Frisur wieder“, freut sich Venema über die Einrichtung, die permanent läuft.

Aus dem Jahr 1865 stammt der Hof in Ostfriesland, den die Venema-Brüder von ihrem Vater übernommen haben. Mit ihren Videos wollen sie aber bewusst kein nostalgisches Bauern-Bild zeigen. „Aus heutiger Sicht gäbe es einen Aufschrei über die Milchviehhaltung vor 150 Jahren“, ist Amos überzeugt, „heute sind die Tiere in sauberen Ställen viel besser aufgehoben“. Dafür seien die Verbraucher immer schlechter informiert über die moderne Landwirtschaft.

Das soll sich mit den schrägen Videos aus dem Stall ändern – und damit auch das Image von der viel kritisierten Massentierhaltung: „Kühe sind keine Massenware“, betont Amos Venema. „Milchbauern haben eine enge Beziehung zu den Tieren. Wenn ich ein Euter anfasse, dann weiß ich genau, ob es der Kuh gut geht oder ob mit ihr etwas nicht stimmt.“

 

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