50 Prozent mehr Beschwerden : Kritik an Post häuft sich

Briefe stapeln sich: Laut Bundesnetzagentur gibt es immer häufiger Kritik an der Post.
Briefe stapeln sich: Laut Bundesnetzagentur gibt es immer häufiger Kritik an der Post.

Bundesnetzagentur verzeichnet 50 Prozent mehr Beschwerden. Tarifverhandlungen beginnen

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18. Januar 2018, 20:45 Uhr

Bei der Bundesnetzagentur häuft sich nach einem Bericht der „Saarbrücker Zeitung“ die Kritik an der Post. Und auch die Behörde selbst beklage eine erhebliche „Qualitätsverschlechterung“ bei der Leerung von Briefkästen, berichtet das Blatt unter Berufung auf einen internen Bericht der Netzagentur. Danach seien im vergangenen Jahr 6100 schriftliche Beschwerden eingegangen, 50 Prozent mehr als im Vorjahr.

„Über die Hälfte der Beschwerden betrifft die Briefbeförderung und -zustellung durch die Deutsche Post AG“, heißt es in dem Papier laut „Saarbrücker Zeitung“. Ein Sprecher der Bundesnetzagentur bestätigte auf Anfrage die Zahl der Beschwerden. Die Gewerkschaft Verdi sieht gegenüber unserer Redaktion unter anderem die „auf Kante genähte“ Personalpolitik der Deutschen Post als ursächlich für die Beschwerden.

Bereits Anfang Dezember hatte die Netzagentur von vermehrten Beschwerden berichtet. Damals wurde deren Anstieg für das Gesamtjahr aber nur auf ein Viertel geschätzt. In der für die Post besonders arbeitsintensiven Weihnachtszeit schnellte der Wert jedoch weiter nach oben – vor allem aufgrund verspäteter Briefe und Pakete oder Einwürfe in falsche Briefkästen.

Eine Post-Sprecherin sagte, man nehme jede Beschwerde ernst. Sie verwies darauf, dass 94 Prozent der Briefe und 90 Prozent der Pakete den Empfänger am nächsten Werktag erreichten. Man gehe davon aus, „dass der Anstieg der Beschwerden auch darauf zurückzuführen ist, dass die Bundesnetzagentur in der öffentlichen Wahrnehmung vermehrt als Beschwerdestelle für Anliegen im Postbereich angesehen wird“.

In der kommenden Woche beginnen nun die Post-Tarifverhandlungen. Die Beschäftigten seien nicht unzufrieden mit ihrer Arbeitszeit, erklärte Sigrun Rauch gegenüber unserer Redaktion. „Sie sind aber in erheblichem Maße in der Intensität der Arbeit belastet.“

Kommentar von Stefanie Witte: Nicht übertreiben

Kein Grund zur Übertreibung: Zwar regen sich viele Kunden über die Post auf. und die Bundesnetzagentur spricht von einer erheblichen Qualitätsverschlechterung bei der Leerung von Briefkästen.

Laut Post erreichen jedoch 94 Prozent der Briefe am nächsten Tag den Adressaten. Dazu kommt, dass die meisten Deutschen zunehmend online korrespondieren. Da darf es nicht verwundern, wenn die Post reagiert. Die Dienstleistung muss sich dem Markt anpassen. Ansonsten würde das Porto weiter steigen.

Dennoch muss die Post darauf reagieren, dass sich die Zahl der Beschwerden innerhalb eines Jahres verdoppelt hat. Für die Post, die immer noch über 80 Prozent Marktanteil verfügt, gehört Zuverlässigkeit zum Markenkern.

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