Abgas-Skandal : Kraftfahrtbundesamt schafft eigene Prüftechnik an

So sieht ein PEMS-System (Portable Emission Measurement System) aus, wie es das KBA jetzt für sich anschaffen will.
So sieht ein PEMS-System (Portable Emission Measurement System) aus, wie es das KBA jetzt für sich anschaffen will.

Nach Schadstoff-Manipulationen bei VW soll Autobauern genauer auf die Finger geschaut werden – endlich, wie Kritiker meinen

svz.de von
14. Juni 2016, 08:00 Uhr

Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) rüstet sich mit eigener Mess- und Prüftechnik für künftige Kontrollen im Abgas-Skandal. Zunächst fließen 330 000 Euro in zwei mobile Anlagen, mit denen Autos direkt auf der Straße untersucht werden können, erfuhr die Deutsche Presse-Agentur aus dem Bundesverkehrsministerium in Berlin.

Die Geräte sollen noch in diesem Herbst einsetzbar sein. Das KBA will so möglichen weiteren Fälschungen von Abgaswerten wie bei Volkswagen auf die Schliche kommen. Im Fall Fiat Chrysler, wo bei Nachtests der Verdacht auf eine illegale Abschalteinrichtung entstand, steht laut einem Bericht der „Automobilwoche“ weiter die von Berlin angeforderte Erläuterung der italienischen Behörden aus.

Bei der vom KBA angeschafften Technik handelt es sich um das „Pems“-System (Portable Emission Measurement System). Umweltverbände fordern die damit möglichen Straßen-Messungen schon seit Langem, weil Laborwerte meist nicht den realen Fahrbedingungen entsprächen.

Bekommen soll die Flensburger Behörde außerdem ein eigenes Labor mit Prüfständen. Wann es in Betrieb geht, ist noch offen. Das Ministerium veranschlagt die jährlichen Gesamtkosten der eigenen Prüftechnik einschließlich Personalkosten auf zehn Millionen Euro. Bisher nutzt das Amt für Nachmessungen Einrichtungen von Dienstleistern wie Tüv und Dekra. Dies soll 2017 noch intensiviert werden, hieß es. Der Bedarf an Prüftechnik nimmt als Konsequenz aus der Abgas-Affäre weiter zu. Unter anderem soll nun der CO2-Ausstoß bei 30 Dieselautos geklärt werden, die bei ersten Messungen auffällig geworden waren.

Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) will überdies unangemeldete Abgastests „im Stil von Dopingtests“ einführen. Dafür sollen zufällig ausgewählte Fahrzeuge aus dem Verkehr gezogen und getestet werden. Mit staatlichen Prüfständen könnten aus Expertensicht auch mögliche wirtschaftliche Abhängigkeiten zwischen Prüfdiensten und Herstellern ausgeschlossen werden. Das Verkehrsministerium plant hierfür zudem, dass sich Prüfdienste künftig in einer Rotation abwechseln sollen.

Die Grünen nannten den Kauf eigener KBA-Technik einen „schlechten Witz“. Als „Antwort auf das organisierte Staatsversagen, das zum Abgas-Skandal geführt hat“, reiche dies nicht aus, meinte der Vizechef der Bundestagsfraktion, Oliver Krischer. Nötig sei vielmehr ein Plan, mit dem sich Emissionen im Straßenverkehr wirksam reduzieren lassen.

Derweil herrscht nach wie vor Unklarheit über die Frage, ob der Autobauer Fiat die Abgasreinigung in einigen Modellen möglicherweise nach einer bestimmten Zeit herunterfährt. „Die Stellungnahme der italienischen Typgenehmigungsbehörde liegt noch nicht vor“, sagte ein Sprecher des Bundesverkehrsministeriums der „Automobilwoche“. Fiat wollte gegenüber dem Branchenblatt dazu nichts sagen. Das Unternehmen hatte die Bundesregierung Mitte Mai brüskiert, indem es einen von Dobrindt angesetzten Besprechungstermin platzen ließ. Anwälte erklärten, allein italienische Behörden seien für die Frage zuständig, ob Fiat-Autos europäische Ab- gasvorschriften einhalten.

Danach erging die Aufforderung an die Italiener, die Ergebnisse des KBA zu bewerten und entsprechende Maßnahmen zu ergreifen. „Wer sich einer solchen technischen und juristischen Diskussion verweigert, erweckt den Eindruck, dass etwas im Argen ist“, warnte Dobrindt.

 
 

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