zur Navigation springen

Spargel: Ein deutsches Phänomen? : Komisches Gemüse

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Das Verhältnis der Deutschen zum Spargel ist der Wahnsinn, finden Menschen aus dem Ausland

svz.de von
erstellt am 19.Apr.2016 | 12:00 Uhr

Berühmt sind die Deutschen im Ausland ja für Sauerkraut und Schweinshaxe. Aber tatsächlich flippen sie jedes Jahr ein bisschen aus, wenn es im Frühjahr wieder dieses eigentümliche Gemüse gibt, dass sie „weißes Gold“ nennen: „Dicke Spargelstangen, die unter Erdhügeln wachsen und mit Butter und Schinken serviert werden“, schreibt die Britin Christie Dietz in ihrem kulinarischen Reiseführer für regionale deutsche Küche auf ihrer Internetseite „Sausage has two“ (Die Wurst hat zwei). Seit sechs Jahren lebt sie mit ihrer Familie in Wiesbaden.

Sie empfiehlt unmissverständlich: Wer immer auch in der „Spargelzeit“ in Deutschland ist, einfach mal mitmachen bei dem „Wahnsinn“ und so viel Spargel essen wie möglich. Sie selbst tut es auch. In der Saison gibt’s bei ihr reichlich Spargel.

Die Deutschen seien beim Spargel völlig übergeschnappt, schreibt sie: In den Spargelregionen krönen sie sogar Spargelköniginnen. Es gebe Spargelfeste, und überall die Verkaufsbüdchen an den Straßen und die Spargel-Gourmet-Routen in den zentralen Anbau-Regionen mit den Spargelhöfen, Restaurants und allem, was mit weißem Spargel zu tun hat!

Viele haben ihn sehnsüchtig erwartet, die Zeit war lang. Aber jetzt ist sie da, die Spargelzeit: Spargel auf den Bauernhöfen, Märkten, an den Straßen kleine Verkaufsstände, „frischer Spargel“ auf den Speisekarten, zu Hause, wenn Gäste kommen. Immer wieder Spargel, klassischerweise den weißen. Und niemand wird auf den Gedanken kommen: schon wieder Spargel.

Der gebürtige Franzose Philippe Hérissé ist schon ein bisschen spargelverrückt –

wie die Deutschen: Er liebt Spargel. „Ich habe mich angepasst“, sagt er. Vor vielen Jahren ist er nicht des Spargels willen an den Niederrhein gezogen, sondern aus Liebe zu seiner Frau. Und die stammt aus einem niederrheinischen Spargelort: „Für mich ist das wirklich ein Teil meines Lebens geworden.“

Die Berliner schwören auf ihren Beelitzer Spargel. Der gebürtige Pole Arkadiusz Szczepanski lebt seit seiner Kindheit in Berlin – aber mit dem Spargel hat er es nicht so: „Geschmacklich – ich weiß nicht. Ich esse es, aber nicht in großen Mengen.“ Er freut sich aus ganz anderen Gründen über die Spargelzeit: Das Stadtbild verändert sich. Dann tauchen die vielen kleinen Verkaufsstände an den Straßen auf. „Das hat auf jeden Fall Charme.“

 

Speise der Götter

Schon die alten Ägypter wussten die Vorzüge des Spargels zu schätzen und verehrten ihn als „Speise der Götter“. Auch Griechen und Römer lernten das edle Gemüse bald zu würdigen – als Delikatesse ebenso wie als Aphrodisiakum. Für Ärzte wie Hippokrates hatte seine harntreibende Wirkung überdies medizinischen Nutzen. Außerdem gilt Spargel als besonders gesund, denn er enthält viel Vitamin A und C sowie Folsäure. Jahrhundertelang blieben die kostbaren Stangen dem Adel vorbehalten, bis Spargel durch die Industrialisierung weitere Verbreitung fand und zunehmend auch in vermögenden bürgerlichen Häusern auf den Tisch kam. Für jedermann erschwinglich wurde er aber erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Neben Frankreich, Griechenland und Italien gehört Deutschland heute zu den führenden Anbauländern in Europa. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes war Spargel 2016 hierzulande flächenmäßig die Nummer eins beim Gemüseanbau. Er wurde auf rund 20 600 Hektar geerntet.

In Mecklenburg-Vorpommern wurde Spargel im vorigen Jahr von rund 240 Hektar geerntet, im Schnitt 37 Dezitonnen je Hektar.

Der Frischetest

Beim Spargelkauf sollten Verbraucher sich die Enden, also die Schnittstellen, genau anschauen. Sind sie feucht und saftig, ist das ein Zeichen für Frische. Deshalb sind in Papier verpackte Enden in der Regel ein schlechtes Zeichen, erläutert der Verbraucherinformationsdienst aid. Das sei besonders oft bei importiertem Spargel der Fall. Das Problem ist, dass das Gemüse sehr schnell an Qualität verliert und Frische daher besonders wichtig ist. Deshalb sei Spargel aus der Region oft besser als solcher, der schon einen längeren Transport hinter sich hat. Damit der gekaufte Spargel auch daheim frisch bleibt, lagert man ihn idealerweise in ein feuchtes Tuch eingeschlagen im Kühlschrank.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen