Kastration ohne Betäubung : „Kein weiterer Aufschub“

Soll ab 1. Januar 2019 verboten sein: die betäubungslose Kastration von Ferkeln.
Soll ab 1. Januar 2019 verboten sein: die betäubungslose Kastration von Ferkeln.

Tierschutzbund appelliert an Bundesländer

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03. September 2018, 05:00 Uhr

Der Deutsche Tierschutzbund hat an die Bundesländer appelliert, am Verbot der betäubungslosen Kastration von Ferkeln zum 1. Januar festzuhalten. Verbandspräsident Thomas Schröder hat sich in einem Brief an die Agrarminister der Länder gewandt. In dem Schreiben fordert er: „Ein weiteres unnötiges Leiden von rund 100 Millionen Ferkeln durch die Aufweichung des Tierschutzgesetzes zu verursachen, widerspricht dem Staatsziel Tierschutz ebenso wie dem ethischen Empfinden der Menschen in Deutschland.“ Das Thema Kastration steht heute auf der Agrarausschuss-Tagesordnung des Bundesrates.

Der bislang übliche chirurgische Eingriff ist ab dem 1. Januar 2019 verboten. Männlichen Ferkeln werden die Hoden bislang ohne weitere Betäubung entfernt, weil das Fleisch mancher Eber aufgrund von Hormoneinlagerungen einen unangenehmen Geruch entwickeln kann. Zudem gilt die Aufzucht der Eber als schwieriger. Landwirte bemängeln, dass es derzeit keine tragfähige Alternative zur Kastration gebe. Bei der von Bauernverband und Interessengemeinschaft der Schweinehalter (ISN) favorisierten Variante einer lokalen Betäubung bestehen rechtliche Unsicherheiten.

Bayern hatte deswegen angekündigt, einen Antrag in den Bundesrat einzubringen, der das Verbot um fünf Jahre verschiebt. Dies soll nun heute im Agrarausschuss diskutiert werden. Niedersachsen hat sich für eine dreijährige Verschiebung ausgesprochen. Tierschutzbund-Präsident Thomas Schröder erinnerte in seinem Schreiben daran, dass das Verbot bereits seit 2013 feststehe. Ein weiterer Aufschub wäre ein Verstoß gegen das Grundgesetz. Das schreibt den Schutz der Tiere durch den Staat vor. 

Es gebe bereits jetzt Alternativen zur betäubungslosen Kastration, die in anderen Ländern praktiziert würden – beispielsweise in Form einer Art Impfung. Schröder sagte: Der einzige Grund für eine Fristverlängerung ist also, den ökonomischen Interessen der Tiernutzer den Steigbügel zu halten und ihnen noch weitere Jahre ein Geschäft auf dem Rücken der Schweine zu gönnen.“

ISN-Geschäftsführer Torsten Staack drängte die Politik derweil dazu, eine Lösung zu finden. „Wer sich nun den umsetzbaren Lösungen verweigert, muss sich demnächst als Totengräber der deutschen Ferkelerzeugung bezeichnen lassen“, sagte Staack. Eine Umfrage des Verbandes unter Sauenhaltern hatte jüngst ergeben, dass jeder Zweite binnen zehn Jahren aufhören wolle – aufgrund vieler ungeklärter Fragen wie etwa der Kastration. Schröder forderte eine nachhaltige Nutztierstrategie für Deutschland. Er mahnte: „Das Rumpfuschen zur Verlängerung von Ferkelqual ist kurzsichtig und ignorant.“

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