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Tourismus-Rekord in MV : Kein Selbstläufer

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Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Der Tourismus in Mecklenburg-Vorpommern jagt von Rekord zu Rekord – doch das Bundesland darf sich nicht auf Erfolg ausruhen

svz.de von
erstellt am 28.Sep.2016 | 21:00 Uhr

Die Touristen in Schleswig-Holstein und Bayern waren einer Untersuchung zufolge im vergangenen Jahr mit ihrem Urlaub erstmals zufriedener als die Gäste in Mecklenburg-Vorpommern. Diese Entwicklung gebe zwar noch keinen Anlass zur Sorge, sagte Mathias Feige vom Deutschen Wirtschaftswissenschaftliches Institut für Fremdenverkehr (dwif) gestern bei einer Fachtagung in Rostock. Aber es sei ein wichtiges Signal. „Die Wettbewerber haben sich sehr stark entwickelt und geben sich extrem viel Mühe.“

MV dürfe die bisherigen Erfolge nicht aufs Spiel setzen. Andere Regionen hätten sich in früheren Jahren auf ihren Erfolgen ausgeruht und dann in einem schleichenden Prozess an Boden verloren. Feige warnte:  „Unter der schönen Oberfläche gibt es einige Warnsignale.“

Gestern begann in Rostock eine Reihe von drei Konferenzen zur Entwicklung einer neuen Landestourismuskonzeption. Auch in Greifswald und Plau am See wollten die Fachleute noch über die Möglichkeiten diskutieren, wie sich die Urlaubsbranche Mecklenburg-Vorpommerns auf die kommenden Jahre vorbereiten kann. Dabei war allen klar, dass das künftige Wachstum qualifiziert sein muss. Die Branche müsse sich andere Ziele setzen, als nur neue Übernachtungsrekorde aufzustellen.

Dabei ist die Ausgangsbasis für das neue Konzept äußerst positiv. Erst im Juli gab es ein Plus von 7,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat, aller Voraussicht nach wird für 2016 die Rekordmarke von über 30 Millionen Übernachtungen erreicht.

Die Touristen geben der dwif-Analyse im Jahr knapp acht Milliarden Euro für den Konsum aus, der Großteil davon für die Unterkunft und Bewirtung. Die gesamte touristische Wertschöpfung wurde mit 4,1 Milliarden Euro angegeben, das sind rund 12 Prozent der gesamten Bruttowertschöpfung im Land. Rund 131 000 Menschen seien im Tourismus tätig, knapp 18 Prozent aller Erwerbstätigen in Mecklenburg-Vorpommern.

Eine Möglichkeit zur Entwicklung einer Tourismuskonzeption zeige Schleswig-Holstein. Dort konzentrierten sich die Touristiker auf ihre Marke, die Nachhaltigkeit des Angebots und auf die Frage, ob das Konzept von den Betrieben überhaupt umgesetzt werden kann, sagte Feige. Eines der zentralen Probleme, dem sich die Nordost-Tourismusbranche stellen muss, sei die Erreichbarkeit. Zwar sei Mecklenburg-Vorpommern wegen der großen Distanzen immer ein Ziel, das mit dem Auto angefahren wird. Es könnten jedoch Anreizsysteme geschaffen werden, damit der eine oder andere doch mal das Auto stehenlässt, betonte Feige. Diese werde etwa mit guten Informations- oder Ticketsystemen oder Apps erreicht. Es gehe aber auch um Verkehrskonzepte in den Regionen, um Elektromobilität oder fahrscheinlosen Nahverkehr. Solche Dinge existieren in anderen Regionen schon längst. „Das Ziel bei der Tourismuskonzeption ist es, nicht nur ein Papier zu produzieren, bei dem man lesen kann, was gut oder schlecht ist“, sagte der Referatsleiter für Tourismus im Wirtschaftsministerium, Gerd Lange. „Wir wollen gleich Maßnahmen entwickeln, die nächstes Jahr in die Umsetzung gehen.

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