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Karrieretag : Jobsuche beim Speed-Dating

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Am Oberstufenzentrum fand der erste Prignitzer Karrieretag statt

von
erstellt am 15.Feb.2015 | 12:21 Uhr

Heute wollen sie ihre Bewerbung abschicken. Geschrieben am Sonnabendabend, wenige Stunden nach dem 1. Prignitzer Karrieretag am Oberstufenzentrum Wittenberge. „Das Speed-Dating war wirklich toll“, sagt Nathalie Zaschke. Besser als einen Brief oder eine E-Mail an einen Betrieb, an einen unbekannten Personalchef zu schicken. „Die Gespräche hier sind lockerer als in einem Vorstellungsgespräch“, so die junge Wittenbergerin. Sie hat sich über Gesundheitsberufe an der Schule des Kreiskrankenhauses informiert. Ihr Freund Jacques Wamhoff möchte in die Landwirtschaft und erkundigte sich bei Birgit Brüning, die die Landgenossenschaft Pröttlin vertritt. „Seit sechs Monaten suche ich eine Ausbildung und hoffe, dass es jetzt in Pröttlin klappt. Auf alle Fälle darf ich dort ein Praktikum machen“, freut er sich.

Ursprünglich eine Idee für die Partnersuche hat sich das Speed-Dating nun auch bei der Lehrstellensuche etabliert, auch wenn es für Prignitzer Betriebe eher noch unbekanntes Terrain ist. „Für mich ist es das erste“, sagt Birgit Brüning nach dem Gespräch mit einem Jugendlichen. „Wir haben persönliche Daten ausgetauscht, ich habe erklärt, welche Voraussetzungen wir erwarten.“ Mehr gehe in den wenigen Minuten nicht. „Auf alle Fälle lade ich die Bewerber nach Pröttlin zum Praktikum ein“, erläutert Brüning.

Insgesamt ist die Landwirtschaft heute stark vertreten. Sandra Perabo sucht Tierwirte für die Tierzuchtgenossenschaft Gulow und der Lübzower Landwirt Bernd Cord-Kruse möchte ebenfalls gerne ausbilden. Aber sie müssen sich gedulden, bis sich überhaupt mal ein Interessent an ihre Tische verirrt.

„Wenn wir Neugier wecken, haben wir schon viel erreicht“, sagen sie. Die Hoffnung nach ein oder zwei Gesprächen einen Lehrling zu finden, hegen sie nicht.

„Viele haben keinen Kontakt zur Landwirtschaft und die Vorstellungen von unseren Berufen stimmen nicht mit der Realität überein“, sagt Cord-Kruse. Auch Eltern hätten häufig ein falsches Bild. Deshalb wollen sie informieren, aufklären und durch ein Praktikum ein reales Bild vermitteln.


Alle Branchen ringen um Nachwuchs


Aber die Landwirtschaft ist nicht die einzige Branche, die um die weniger werdenden Jugendlichen kämpft. Die Gastronomie hat ähnliche Probleme und so sind Jan Lange vom Restaurant Ölmühle und Knut Diete vom Kranhaus froh, dass sich heute tatsächliche einige Schüler bei ihnen sehr ernsthaft vorgestellt und Termine für ein zweites Treffen abgesprochen haben.

Aber wer mit den rund 20 anwesenden Ausbildungsbetrieben spricht, erfährt überall, dass es schwer ist, Lehrlinge zu finden, die auch den Anforderungen entsprechende Leistungen haben.

Ob der heutige Karrieretag, die Berufsstartermesse Go! unserer Zeitung oder eine andere Messe – „Teilnahme ist für mich Pflicht“, erklärt Petra Schmutzer, Azubi-Gesamtkoordinator der DB Fahrzeuginstandhaltung Wittenberge. Man dürfe keine Chance auslassen, Schüler anzusprechen. Das gelte vor allem für die Bahn. Die habe eine Ausbildungsvielfalt, die nur den wenigsten bekannt sein dürfte: Bauzeichner, Koch, Fachlagerist, Immobilienkaufmann... Fast 30 Berufe stehen im Flyer, den Petra Schmutzer verteilt.

Das Wittenberger Werk sucht für 2015 noch einen Elektroniker für Betriebstechnik und bildet je nach Bedarf in sechs Berufen aus, darunter Zerspanungsmechaniker und Mechatroniker.

Das Oberstufenzentrum als Gastgeber verband den Karrieretag erstmals mit dem Tag der offenen Tür. Für Schulleiter Jan Meyerhoff ist das Experiment geglückt. Die Resonanz sei gut und das Angebot für die Jugendlichen deutlich größer.

Die Schule stellt ihre zahlreichen Bildungsgänge vor, darunter die Erzieherausbildung oder die Doppelqualifikation Landwirt mit Fachhochschulreife. Auch für die Abiturausbildung können sich die Schüler heute anmelden.

Zugleich hat Jan Meyerhoff eine gute Nachricht: Für die Kaufleute für Büromanagement und für die Kfz-Mechatroniker konnten Klassen eröffnet werden. Die Schülerzahlen waren ausreichend, aber für beide Ausbildungen bleibe die Zukunft ungewiss.

Nicht weniger groß sei die Herausforderung, ausreichend Lehrer zu finden. Allein in diesem Schuljahr gehen fünf in den Ruhestand. „Hier ist die Politik gefordert“, sagt Meyerhoff.  

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