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Schwarzarbeit : Illegal ohne Mindestlohn

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Warum die flächendeckende Regelung die Schattenwirtschaft befeuert / Erstmals sinkt ihr Anteil nicht mehr

Der flächendeckende Mindestlohn in Deutschland treibt einer Studie zufolge die Schwarzarbeit in die Höhe. Trotz eines robusten Arbeitsmarktes dürfte die Schattenwirtschaft daher erstmals seit Jahren nicht weiter zurückgehen. Das zeigt eine Prognose des Tübinger Instituts für Angewandte Wirtschaftsforschung (IAW) und der Universität Linz. Fragen und Antworten zum Thema.

Was ist Schwarzarbeit genau?

Bei Schwarzarbeit umgehen Arbeitgeber und Beschäftigte Steuern oder Sozialabgaben. Experten sehen sie als Teilbereich der so genannten Schattenwirtschaft, zu der auch illegale Beschäftigung und kriminelle Aktivitäten zählen.

Welche Faktoren beeinflussen Schwarzarbeit?

Geringere Arbeitslosigkeit führt in der Regel dazu, dass weniger schwarz gearbeitet wird, weil die Menschen dann leichter eine besser bezahlte reguläre Arbeitsstelle finden. Daher sind die Konjunktur und die Lage auf dem Arbeitsmarkt wichtige Faktoren. Eine Rolle spielen laut IAW-Direktor Bernhard Boockmann auch politische Rahmenbedingungen wie hohe Sozialabgaben und Steuerbelastungen. 2015 dürfte sich ihm zufolge deshalb vor allem der seit Januar geltende Mindestlohn bemerkbar machen. Hinzu kämen auch das Rechtsbewusstsein der Menschen und die Frage, wie hoch das Risiko sei, aufzufliegen.

Warum spielt der neue Mindestlohn so eine wichtige Rolle?

Der Mindestlohn führt bei vielen Arbeitgebern zu steigenden Kosten. Laut der gemeinsamen Studie von IAW und Universität Linz sind in den klassischen Schwarzarbeits-Branchen Lohnsteigerungen von sieben Milliarden Euro nötig, um die Mindestlohn-Regelungen einzuhalten. Gerade Branchen mit ohnehin viel Schwarzarbeit sind demnach davon betroffen. Gewerkschaften haben Schummeleien gewarnt.

In welchen Branchen ist Schwarzarbeit besonders verbreitet?

Experte Boockmann nennt Gaststätten, Hotels sowie die Landwirtschaft und Dienstleistungen im Haushalt. Auch in der Bauwirtschaft werde häufig am Fiskus vorbei verdient. Dort gibt es den Mindestlohn zwar schon länger – der Gewerkschaft IG Bau zufolge gibt es aber nach wie vor auch viel kriminelle Energie.

Ist Unkenntnis ein Grund für Schwarzarbeit?

„Haushalte, die Schwarzarbeiter beschäftigen, wissen in der Regel, was sie tun“, sagt Boockmann. Ausnahmen gebe es möglicherweise, wenn kein Geld fließe. „Aber auch ein nachhaltig ausgeübter Tausch von Leistungen – etwa wenn der eine dem Sohn regelmäßig Nachhilfe gibt und der andere ihm dafür auf dem Bau hilft – kann Schwarzarbeit sein.“

Wie kann man gegensteuern?

Neben gesetzlichen Änderungen sowie Strafen sind Kontrollen ein Mittel. Für die Überwachung von Schwarzarbeit und illegaler Beschäftigung ist der Zoll zuständig. Um die Einhaltung des Mindestlohns zu prüfen, soll das Personal um 1600 Stellen aufgestockt werden. Fachleute sind aber skeptisch, ob das reicht. „Unsere Analysen zu den schon bisher existierenden branchenspezifischen Mindestlöhnen zeigen, dass der Zoll Schwierigkeiten haben wird, die Einhaltung des Mindestlohns wirklich zu prüfen“, sagt Boockmann. „Wenn Arbeitgeber und Arbeitnehmer den Mindestlohn umgehen wollen, finden sie auch einen Weg.“

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