Deutsche Post : „Höchst verwerflich“

 
 

Scholz pocht auf Änderung der Einstellungspraxis bei Deutscher Post

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07. Mai 2018, 20:45 Uhr

Berlin | Finanzminister Olaf Scholz (SPD) will die umstrittene Einstellungspraxis bei der Deutschen Post nicht hinnehmen und den Einfluss des Bundes für eine Änderung der Kriterien nutzen. Bei dem Dax-Unternehmen, an dem auch der Bund beteiligt ist, bekommen die Mitarbeiter einen unbefristeten Vertrag, die unter anderem nicht zu oft krank sind und die nicht zu häufig in Unfälle mit Postfahrzeugen verwickelt sind. Solche Entfristungskriterien bei Arbeitsverträgensind nach Darstellung des DGB arbeitsrechtlich zwar nicht angreifbar. „Aber es ist moralisch höchst verwerflich“, sagte der Chef des Deutschen Gewerkschaftsbundes, Reiner Hoffmann, gestern „Es ist an der Zeit, dass mit diesem Unfug aufgeräumt wird.“

Das Bundesfinanzministerium will sich nach Aussage einer Sprecherin in Gesprächen mit der Post einen Überblick verschaffen. Der Bund werde dann im Rahmen seiner Möglichkeiten als Anteilseigner darauf hinwirken, dass sich die Praxis ändere. Das Ministerium werde auch prüfen, ob bei Unternehmen mit Bundesbeteiligung ähnliche Sachverhalte vorliegen. Der Bund hält über die Staatsbank KfW knapp 21 Prozent an der Deutschen Post.

Ein Sprecher der Post hatte die Kriterien zuvor bestätigt. Demnach dürfen Mitarbeiter in zwei Jahren nicht häufiger als sechsmal krank gewesen sein beziehungsweise nicht mehr als 20 Krankheitstage angehäuft haben. Weiter dürften Mitarbeiter höchstens zwei selbst verschuldete Kfz-Unfälle mit einem Maximalschaden von 5000 Euro verursachen, und Postboten dürften in drei Monaten nicht mehr als 30 Stunden länger für ihre Touren gebraucht haben als vorgesehen. Die Aufregung darüber erschließe sich ihm nicht, hatte der Post-Sprecher weiter gesagt: „Dass wir im Konzern überlegen, wer auf Dauer den Anforderungen gewachsen ist, das ist im Interesse aller Beteiligten, insbesondere der Kunden.“ Die Tätigkeit des Postboten sei auch körperlich anstrengend. Im Übrigen lege die Post aber keine Schablonen an, sondern berücksichtige immer das Gesamtbild. Da Zusteller im Moment dringend gesucht würden, könne man außerdem davon ausgehen, dass die Auswahl nicht nach zu strengen Kriterien erfolge.

Kommentar: Politik hat es in der Hand

Dass Arbeitnehmer diejenigen Mitarbeiter einstellen, die am effektivsten für sie arbeiten, sollte keine Überraschung sein. Nur hat diese Einstellungskriterien wie Fehltage bislang keiner so deutlich ausgesprochen wie die Deutsche Post. Das macht die Praxis nicht besser, die Politik jedoch zum Heuchler, wenn sie sich in der Diskussion
nun auf die Post alleine versteift. Wenn es um Festanstellungen geht, können Krankheitstage von jeher das Zünglein an der Waage sein. Diese Praxis ist nicht unbedingt fair. Sie ist jedoch legal. Somit wird die politische Empörung über einen Sachverhalt, der in allen Branchen Usus ist, nichts ändern. Vor allem ist es die Politik selbst, die durch die Gesetzgebung viele Möglichkeiten für befristete Arbeitsverhältnisse einräumt. Hier müsste angesetzt werden, wenn die Zahl der Befristungen verringert werden soll.

Nina Kallmeier

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