zur Navigation springen

EEG-Umlage : Hiobsbotschaft für Millionen?

vom
Aus der Onlineredaktion

Hintergründe zur EEG-Umlage und zu möglichen Mehrbelastungen für Stromkunden

von
erstellt am 10.Okt.2017 | 05:00 Uhr

Selten lagen die Expertenprognosen so weit auseinander: In wenigen Tagen werden die Stromnetzbetreiber bekanntgeben, wie hoch die sogenannte EEG-Umlage zur Finanzierung von Ökostrom in Deutschland im kommenden Jahr ausfallen wird. Auch bei den Leistungsgebühren, die auf die Kunden umgelegt werden, sind Veränderungen angekündigt. Hintergründe von
Rasmus Buchsteiner:

Was ist eigentlich die EEG-Umlage?

Die EEG-Umlage ist ein Aufschlag auf den Strompreis. Aus den Einnahmen werden die auf 20 Jahre garantierten Vergütungen für Betreiber von Windrädern, Photovoltaik- und Biogasanlagen finanziert. Das Gesamtvolumen der Vergütungen hatte im vergangenen Jahr rund 24,2 Milliarden Euro betragen. Ein gutes Drittel steuern Privatkunden bei. Aktuell beträgt die EEG-Umlage 6,88 Cent je Kilowattstunde.

Welche anderen Faktoren geben beim preis den Ausschlag?

Rund 55 Prozent der Stromkosten eines Privathaushalts entfallen auf Steuern, Abgaben und Umlagen. Die EEG-Umlage macht dabei mit 22,1 Prozent den größten Anteil aus, die Stromsteuer schlägt mit 7,1 Prozent zu Buche, die Netzentgelte mit 25,7 Prozent. Zum Vergleich: Produktions- und Vertriebskosten gehen mit knapp 20 Prozent in den Strompreis ein.

Wie wird sich die EEG-Umlage entwickeln?

Der Berliner Thinktank „Agora Energiewende“ geht davon aus, dass die Umlage im kommenden Jahr um 0,14 Cent je Kilowattstunde sinken könnte. Daraus würde sich für eine Familie mit einem Jahresverbrauch von 5000 Kilowattstunden eine Entlastung um etwa 8,30 Euro pro Jahr ergeben.

Erklärung für eine mögliche Senkung wären Milliarden-Rücklagen auf dem EEG-Konto, für die derzeit sogar Strafzinsen anfallen.

Andere wie der Bund der Energieabnehmer erwarten einen Anstieg der Umlage – um 0,12 Cent auf sieben Cent je Kilowattstunde. Das würde für eine Durchschnittsfamilie 7,14 Euro mehr bedeuten.

Wie stark schlagen die Netzgebühren zu Buche?

„Die Stromkunden zahlen mittlerweile über 25 Prozent der Stromkosten nur für Netzentgelte“, erklärte Claudia Kemfert, Energieexpertin des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), gestern im Gespräch mit unserer Berliner Redaktion. „Dabei könnte dieser Betrag deutlich sinken, wenn man auf den überdimensionierten Netzausbau verzichten, den Anteil von Kohlestrom mindern und die erneuerbaren Energien dort ausbauen würde, wo sie gebraucht werden.“

Klar ist jedoch: Die Netzentgelte werden in großen Teilen des Landes deutlich steigen. In den nächsten Jahren müssen zudem Milliarden-Beträge für die großen Stromautobahnen, die bis ins kommende Jahrzehnt hinein von Nord nach Süd gebaut werden sollen, auf die Stromkunden umgelegt werden.

Worauf müssen sich die Stromkunden konkret einstellen?

Noch unklar. Bekannt ist bisher nur, was die großen Netzbetreiber 2018 für die Stromdurchleitung verlangen wollen. Was davon die Versorger auf ihre Kunden umlegen werden, lässt sich noch nicht sagen. In Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz plant der Netzbetreiber Amprion, die Entgelte offenbar um 45 Prozent zu erhöhen. TransnetBW in Baden-Württemberg will voraussichtlich 13 Prozent mehr verlangen, im Gebiet von Tennet, das sich von Nord- nach Süddeutschland erstreckt, sollen es neun Prozent mehr sein. Im Osten und in Hamburg, wo 50Hertz zuständig ist, werden die Netzentgelte um elf Prozent geringer ausfallen. Hintergrund sind geringere Kosten für steuernde Eingriffe ins Netz, weil nun die „Strombrücke“ zwischen Bayern und Thüringen steht.

Sind die Strompreise höher als in unseren Nachbarländern?

Nur in Dänemark müssen Stromkunden mehr zahlen: 30,68 Cent. Deutschland liegt mit 29,51 Cent je Kilowattstunde deutlich über dem europäischen Durchschnitt von 20,78 Cent.


 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen