Preisentwicklung 2016/2017 : Gute Gaspreise für Kunden?

Die Gaspreise sind auf niedrigstem Stand seit 2010.
Die Gaspreise sind auf niedrigstem Stand seit 2010.

Günstige Preisentwicklung in den letzten Jahren kommt nicht immer vollständig beim Privatverbraucher an

svz.de von
28. Dezember 2016, 12:00 Uhr

Die Gas-Einkaufspreise sind in den letzten Jahren gesunken – doch davon hat der Verbraucher nur teilweise profitiert. „Der Trend bei den Preissenkungen in den letzten beiden Jahren ist erfreulich und ein Anfang. Aber die stark gesunkenen Einkaufspreise beim Gas sind immer noch nicht gänzlich bei den privaten Haushalten angekommen“, erklärte Grünen-Expertin Bärbel Höhn, Chefin des Umweltausschusses im Deutschen Bundestag, gestern im Gespräch mit unserer Berliner Redaktion. Hintergründe zur Preisentwicklung 2016/2017 von Rasmus Buchsteiner:

Wie verbreitet ist Heizen mit Gas in Deutschland?

Fast jede zweite Wohnung – 49 Prozent – wird mit Gas geheizt. Bei Neubauten sind es mit 46 Prozent etwas weniger. Die Beschaffungskosten der deutschen Gashändler sind seit 2012 um knapp die Hälfte gefallen, so eine neue Studie der Experten des Hamburger Beratungsbüros „Energycomment“. Von Anfang 2015 bis Mitte 2016 sanken die Einkaufspreise um 30 Prozent auf etwa 1,5 Cent je Kilowattstunde.


Wie sehen die Preis-Perspektiven für Verbraucher aus?

2016 habe der Preis für 20 000 Kilowattstunden rund 1440 Euro betragen. Das entspreche in etwa dem Jahresverbrauch eines Vier-Personen-Haushalts und sei der niedrigste Wert seit Juli 2010. Bereits zu Beginn der Heizsaison 2016/2017 hätten viele Grundversorger die Preise gesenkt, weitere Anpassungen bis März 2017 seien angekündigt. Die Preissenkungen in diesem Zeitraum würden bei durchschnittlich 6,5 Prozent liegen. Von den niedrigeren Gaspreisen könnten etwa 13 Millionen Haushalte profitieren.


Kassieren die Versorger dennoch ab?

Die neue Studie kommt zu einem differenzierten Bild. Demnach seien bei einer Durchschnittsbetrachtung für ganz Deutschland mögliche Kostensenkungen durch niedrigere Einkaufspreise im Jahr 2014 kaum, 2015 fast vollständig und 2016 zum großen Teil an die Verbraucher weitergegeben worden. In diesem Jahr hätte ein Musterhaushalt mit 20 000 Kilowattstunden Jahresverbrauch angesichts gesunkener Beschaffungskosten der Versorger etwa 30 Euro weniger zahlen müssen als tatsächlich fällig würden, 2015 fünf Euro weniger. Die Versorger hätten ihre Bruttomargen deutlich ausweiten können, so die Studie.
Ebenfalls auffällig: Industriekunden profitieren deutlich stärker von Preissenkungen als Privatverbraucher. Seit 2012 gingen die Preise für Unternehmen um 25 Prozent zurück, für Haushaltskunden jedoch nur um drei Prozent.

Wo profitieren private Gaskunden derzeit am stärksten?

In der Studie zeigen sich deutliche regionale Unterschiede. In Berlin, Sachsen und Hamburg profitierten Gaskunden 2015 und 2016 überdurchschnittlich stark von Preissenkungen infolge niedrigerer Einkaufspreise der Versorger. In Nordrhein-Westfalen zahlten Haushalte 64 Euro mehr, als bei einer 1:1-Weitergabe des Preisvorteils zu erwarten gewesen wäre, in Mecklenburg-Vorpommern 46 Euro mehr, in Niedersachsen 43 Euro mehr, in Baden-Württemberg 41 Euro mehr, in Brandenburg 29 Euro mehr und in Bayern 28 Euro mehr.


Und was ist mit Anbieterwechseln?

Deutschlandweit können private Gaskunden im Schnitt zwischen 75 Versorgern wählen. Doch die Zahl derer, die tatsächlich wechseln, stagniert seit 2010. Sie lag 2015 bei 1,1 Millionen, was 9,2 Prozent aller Haushaltskunden entspricht. Laut Studie liegen die Preisunterschiede nicht selten bei mehr als zehn Prozent.

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