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Autogipfel in Berlin : Grünes Licht für die E-Auto-Prämie?

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Der staatlich finanzierte Anreiz zum Kauf eines Elektro-Pkw könnte noch in diesem Jahr fließen. Hintergründe zum Autogipfel im Kanzleramt

svz.de von
erstellt am 27.Apr.2016 | 08:00 Uhr

Schöne, neue E-Auto-Zukunft: Auf der Hannover-Messe staunte die Kanzlerin zusammen mit US-Präsident Barack Obama über die Fortschritte. Ein Elektrofahrzeug innerhalb von 20 Minuten mit Strom für 600 Kilometer Fahrt zu betanken – technisch inzwischen kein Problem mehr. Doch der Absatz von E-Autos „Made in Germany“ bleibt weit hinter den Erwartungen zurück. Die Bundesregierung will jetzt umsteuern.
Mit der Elektro-Prämie ins neue Auto-Zeitalter? Hintergründe zum Autogipfel im Kanzleramt von Rasmus Buchsteiner.

Was stand beim Autogipfel im Kanzleramt auf der Tagesordnung?
Es gab viel zu besprechen zwischen der Regierung und den Autobossen. Der Abgasskandal, zunächst nur ein Fall VW, hat sich ausgeweitet. Ein Prüfbericht der Regierung weist nun quasi allen deutschen Herstellern Schummeleien mit Abgaswerten nach. Jetzt soll ein Untersuchungsausschuss im Bundestag den Skandal aufarbeiten.

Zentrales Thema des abendlichen Gipfels, an dem unter anderem auch die Vorstandschefs von Daimler, VW und BMW teilnahmen, sollte jedoch die künftige Förderung von E-Autos sein.

Wie könnte das neue Förderkonzept aussehen?
Im Gespräch ist eine Kaufprämie von zunächst bis zu 5000 Euro, ab 2018 noch
3000 Euro für reine Elektroautos. Für Hybrid-Fahrzeuge wären es zunächst 3000 Euro, später noch 2000 Euro. Das Geld könnte nur dann fließen, wenn der Listenpreis unterhalb von 60 000 Euro liegt. Ein bemerkenswerter Kniff: Denn damit würden insbesondere die hiesigen Autobauer profitieren. Der erfolgreiche US-Hersteller Tesla hat bisher lediglich Modelle mit einem Einstiegspreis knapp unterhalb von 90 000 Euro im Angebot.

Infografik: Anzahl von Elektroautos steigt langsam | Statista
Mehr Statistiken finden Sie bei Statista

Wie schnell würde die Prämie ausgezahlt?
Das Geld könnte noch in diesem Jahr fließen. Vorausgesetzt, der Bundestag und Haushaltsausschuss geben grünes Licht. Großes Vorbild für die Förderung wäre die Abwrackprämie. Auch sie funktionierte nach dem „Windhundprinzip“: Wer zuerst kommt, sichert sich das Geld. Alle anderen gehen leer aus. In Regierungskreisen ging man von einem möglichen Fördervolumen von gut einer Milliarde Euro aus. Die Hälfte davon sollen die Hersteller allerdings selbst tragen.

Wie viele E-Fahrzeuge sind in Deutschland inzwischen zugelassen?
Bisher sind es 25 500 reine Elektroautos sowie 130 000 Hybrid-Fahrzeuge mit zuschaltbarem Elektroantrieb. Knapp dreißig Serienmodelle heimischer Hersteller sind auf dem Markt. Ohne zusätzliche Fördermaßnahmen werde das offizielle Regierungsziel, bis 2020 eine Million E-Autos auf Deutschlands Straßen zu bringen, kaum erreichbar sein, sind sich Regierung und Industrie einig.

Setzt die Regierung Nur auf die Prämie?
Nein. Schon jetzt gibt es Steuervorteile und weitere Privilegien für E-Autos. Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) will auch die Ladeinfrastruktur verbessern, 15 000 neue „Strom-Tankstellen“ bauen. Kostenpunkt: 300 Millionen Euro. 100 Millionen Euro hatte die Regierung für einen neuen Steuervorteil vorgesehen. So soll das Laden von Autos beim Arbeitgeber kein geldwerter Vorteil sein, auf den der Fiskus zugreift.

Was sagen Kritiker?
Gegner der Kaufprämie warnen vor Mitnahmeffekten. Sie verweisen auf die Milliardengewinne der Konzerne und sehen keinen Grund, warum die Steuerzahler für die Prämie aufkommen sollten. Schließlich werde die Förderung kaum zu Preissenkungen bei den Herstellern führen. Hohe Preise, geringe Reichweiten und lange Ladezeiten sind aus Verbrauchersicht die größten Nachteile heutiger Elektroautos. Befürworter der Prämien sind der Überzeugung, nur so könne der Technologie zum Durchbruch auf dem deutschen Markt verholfen werden. Andere Länder mit höheren Verkaufszahlen hätten ebenfalls auf Prämien gesetzt.

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