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Globaler Fleischhunger nimmt rasant zu

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Immer mehr Ackerfläche wird zur Futtermittelproduktion benötigt / Warnung vor Importen

Weniger Fleisch-Konsum? Der Umweltverband BUND und die Grünen-nahe Heinrich-Böll-Stiftung schlagen Alarm und warnen im „Fleischatlas 2014“ vor den globalen Folgen einer rasant steigenden Nachfrage und eines möglichen Freihandelsabkommens mit den Vereinigten Staaten. Fleisch sei weltweit ein „big business“ mit hohen Wachstumsraten, heißt es in der Studie.

Rasmus Buchsteiner hat die wichtigsten Hintergründe zusammengestellt.
ist die Lust auf Fleisch

in Deutschland

ungebrochen?
Seit mehreren Jahrzehnten ist der Fleischverzehr in Deutschland rückläufig“, erklärte Bernhard Krüsken, Generalsekretär des Deutschen Bauernverbandes, gestern im Gespräch mit unserer Berliner Redaktion. „In den 80er-Jahren lag der Fleischverzehr aller Fleischarten bei durchschnittlich 67 Kilogramm je Kopf der Bevölkerung. In den Jahren 1990 bis 2000 sank der Pro-Kopf-Verzehr auf 63 Kilogramm und von 2000 bis 2010 auf durchschnittlich 60 Kilogramm.“

Billigfleisch aus

Deutschland?

Das sei „ein Mythos“. Der Fleischpreis liege hierzulande um 28 Prozent über dem EU-Durchschnitt.


Wird Deutschland zum

Schlachthof Europas?
Tatsächlich werden bei uns immer mehr Tiere geschlachtet. Wegen der niedrigen Löhne auf den hiesigen Schlachthöfen haben ausländische Großkonzerne wie „Danish Crown“ Tausende Jobs nach Deutschland verlagert. Laut Fleischatlas wurden in Deutschland im Jahr 2012 750 Millionen Tiere geschlachtet, fast 630 Millionen Hühner, etwa 60 Millionen Schweine, fast 40 Millionen Puten, 25 Millionen Enten und mehr als drei Millionen Rinder.

Der Bauernverband erklärt, es gebe „keinen generellen Zuwachs in der Tierhaltung“, sondern eine Zunahme bei Schweinen und Geflügel. In den letzten Jahren waren insbesondere in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Niedersachsen neue Groß-Mastanlagen gebaut worden, teils für Zehntausende Tiere.


Sind die Regeln für

Massentierhaltung verschärft worden?
Die Vorschriften für Antibiotika in der Tiermast sind zuletzt verschärft worden. Ab April 2014 müssen Tierhalter melden, wie viel sie verabreichen – die Behörden können dann gegebenenfalls eine Verringerung anordnen. Kommunen haben zuletzt mehr Möglichkeiten erhalten, die Hürden für die Genehmigung von Groß-Ställen zu erhöhen.

Vor welchen globalen

Fehlentwicklungen warnen Umweltschützer?
Der globale Fleischhunger nimmt rasant zu und hat laut „Fleischatlas 2014“ verheerende Folgen für Umwelt, Natur und Mensch. Die Autoren warnen vor einer Beschleunigung des Trends von kleinbäuerlicher hin zu industrieller Fleischproduktion. Demnach wird immer mehr Ackerfläche zur Futtermittelproduktion benötigt. Schon heute würden fast 50 Prozent der europäischen Weizenernte verfüttert.

BUND-Expertin Reinhild Benning warnt auch vor einer Senkung der Standards für Importe im Zuge des geplanten Freihandelsabkommens zwischen den Vereinigten und der Europäischen Union. Dann könnten „Hormonfleisch“, „Chlorhähnchen“ und Gen-Futter aus den USA womöglich frei nach Europa eingeführt werden.

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erstellt am 10.Jan.2014 | 00:33 Uhr

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