Konsumverhalten : Fette Preise für Butter – aber warum?

Butter ist ziemlich teuer geworden – auch verändertes Konsumverhalten hat zum Rekordhoch beigetragen

svz.de von
07. September 2017, 12:00 Uhr

Der Preis für Butter ist geradezu explodiert. Verlangten Discounter wie die Schwesterunternehmen Aldi Nord und Aldi Süd vor knapp anderthalb Jahren noch 75 Cent für eine 250-Gramm-Packung, so sind es seit Anfang September 1,99 Euro – das ist nach Angaben des Milchindustrie-Verbandes der höchste Stand beim Einstiegspreis seit mindestens 50 Jahren.

Warum ist der Butterpreis zuletzt so stark gestiegen?

Eigentlich ist es ganz einfach: „Das Angebot reicht derzeit nicht aus, um die Nachfrage zu bedienen“, sagt AMI-Milchmarktexperte Andreas Gorn. Zuletzt war weniger Milch verfügbar, dadurch auch weniger Fett. Zudem war der Fettgehalt teils unterdurchschnittlich. „Weniger Milch plus weniger Milchfett ist der eine Baustein“, sagt Björn Börgermann vom Milchindustrie-Verband. Und der andere? „Es gibt in der EU keine ,Butterberge“ mehr.“ Die Lager sind leer, die Vorräte aufgebraucht.

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Warum ist Milchfett derzeit so beliebt?

„Der Verbrauch von Sahne, Butter und Co. als Geschmacksträger hat deutlich zugenommen in den letzten Jahren“, sagt Börgermann. Zudem nutze die weiterverarbeitende Industrie lieber tierisches Fett, also Milchfett, als pflanzliches Fett in ihren Rezepturen. Ein wichtiger Grund ist also ein verändertes Konsumverhalten.

Wie viel Butter wird gebraucht?

2016 hat jeder Mensch in Deutschland nach Angaben des Statistischen Bundesamtes im Schnitt etwa sechs Kilogramm Butter verbraucht. Aber: „Angesichts kräftiger Preisanhebungen verzeichnete Butter den deutlichsten Nachfragerückgang unter den Molkereiprodukten“, stellte etwa die Landesvereinigung der Milchwirtschaft Niedersachsen im Juni fest. Steigendes Interesse gibt es hingegen an sogenannten Streichmischfetten – tierisches Fett kombiniert mit pflanzlichem Fett -, die zum großen Teil auch aus Butter bestehen. „Der Verbraucher schätzt diese relativ neue Produktkategorie, die für ihn einen Mehrwert bringt und für die er bereit ist, mehr zu bezahlen“, betonte die Landesvereinigung.

Wer profitiert von den Preiserhöhungen?

Der Handel behält eine Spanne ein, mal mehr, mal weniger. „Aber natürlich zahlt der Handel derzeit höhere Preise an die Molkereien“, meint Gorn. Auch Börgermann sagt, Molkereien könnten „mit stabilen Erlösen“ rechnen. Vor allem aber wirbt er mit Vorteilen für die Erzeuger: „Die höheren Preise für die Produkte ermöglichen nun höhere Milchauszahlungspreise.“

Seit Mitte 2016 sind die Milchpreise bereits kräftig gestiegen – im Juli 2017 erhielten Landwirte im Bundesschnitt 36,1 Cent je Liter, im Vorjahresmonat waren es gerade mal 23,2 Cent. „Der Milchpreis sollte wohl mindestens zwischen 30 und 35 Cent netto liegen, um gewinnbringend Milch produzieren zu können als Erzeuger“, meint Börgermann. Die Bauern halten etwa 40 Cent für notwendig.

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