Abheben wird teurer : Extra-Kosten am Geldautomaten

Am Automaten kann es teurer werden.
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Am Automaten kann es teurer werden.

Die großen deutschen Privatbanken drehen an der Gebührenschraube: Für Fremdkunden kann es teurer werden

svz.de von
09. Juli 2015, 10:00 Uhr

Der Ärger mancher Bankkunden dürfte groß sein: Bei der Commerzbank und anderen Privatbanken wird es für Fremdkunden teurer, am Automaten Geld abzuheben. Bisher zahlen Verbraucher bei Privatinstituten 1,95 Euro. Die Deutsche Bank, ihre Tochter Postbank und die Commerzbank haben nun die Vereinbarung zur Höchstgrenze der Gebühren gekündigt für Kunden, die ein Konto bei einem anderen Institut, zum Beispiel bei einer Sparkasse oder Volksbank haben. Hintergründe von Friederike Marx

Wie begründen die Institute den Schritt?

Sie verweisen auf die gestiegenen Kosten und den Aufwand für den Betrieb der Automaten. „Wir können angesichts steigender Kosten auf Dauer keinen Preis unter dem Niveau von Sparkassen und Volksbanken verlangen“, sagt ein Commerzbanksprecher. Die Preisspanne für Fremdabhebungen liegt bei den Sparkassen im Schnitt bei etwa 4 bis 4,50 Euro.

Was verlangen die Banken künftig?

Die Commerzbank hat die Vereinbarung zum 30. September gekündigt und will 3,90 Euro von Fremdkunden kassieren. Deutsche Bank und Postbank haben noch nicht über die Höhe der Gebühr entschieden.

Wie viele Kunden sind betroffen?

Das dichteste Netz an Automaten und Filialen haben Sparkassen sowie Volksbanken- und Raiffeisenbanken. „Die Entscheidung der privaten Banken ist für Sparkassenkunden völlig irrelevant, da sie an 25 000 Geldautomaten und damit dem dichtesten Geldautomatennetz Deutschlands kostenlos Bargeld abheben können“, argumentiert der Deutsche Sparkassen- und Giroverband. Die genossenschaftlichen Institute verfügen über 19 600 Geldautomaten. Die Cash Group – Commerzbank, Deutsche Bank, HypoVereinsbank, Postbank sowie deren Töchter – kommt auf etwa 9000 Geldautomaten im Inland. Bei der Commerzbank gehen etwa 98 Prozent der Abhebungen auf Cash-Group-Kunden zurück. Diese bekommen weiterhin kostenlos Geld an den Automaten der Mitglieder.

Werden weitere Privatbanken folgen?

Die Vereinbarung gilt nach Angaben des Bankenverbandes BdB weiter für Institute, die sie nicht gekündigt haben. Also u.a. für die Targobank und die HypoVereinsbank. „Derzeit gibt es bei uns keine Änderungspläne“, sagt ein HVB-Sprecher. Man beobachte die Entwicklung aber „sehr aufmerksam“. Die ING Diba als größte deutsche Direktbank hat bereits angekündigt, an ihren eigenen rund 1300 Automaten bei der bisherigen Fremdabhebegebühr von 1,95 Euro zu bleiben.

Was sagen die Verbraucherschützer?

Sie raten Kunden zum Vergleich des Preises, der anders als früher schon vor der Abhebung sichtbar ist. Zudem bieten einige Institute gebührenfreie Girokonten mit kostenfreiem Bargeldzugang über Kreditkarte an, sagt Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Wer häufig an einem für ihn kostenpflichtigen Automaten abheben muss, sollte über einen Bankwechsel nachdenken.

Was ist der Hintergrund der Vereinbarung?

Nach massivem Ärger über Gebühren von bis zu zehn Euro hatte sich die Bankenbranche verpflichtet, ab 15. Januar 2011 die Entgelte direkt auf dem Automatenbildschirm anzuzeigen. Die privaten Banken verständigten sich zudem darauf, maximal 1,95 Euro für Fremdabhebungen zu verlangen. Eine gemeinsame Vereinbarung mit den Sparkassen sowie den Volks- und Raiffeisenbanken scheiterte. Sie wollten keine Höchstgebühr festlegen. Sparkassen und Genossenschaftsbanken argumentieren mit hohen Kosten für ihr engmaschiges Automatennetz.



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