Datenbank gegen Kriminelle : EU will Tacho-Betrug unterbinden

 Jeder zweite Wagen im grenzüberschreitenden Handel ist manipuliert.
Jeder zweite Wagen im grenzüberschreitenden Handel ist manipuliert.

Werkstätten sollen Kilometerstände in Datenbank speichern. Jeder zweite Wagen im grenzüberschreitenden Handel ist manipuliert

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16. Januar 2018, 05:00 Uhr

„Wie viele Kilometer hat das Auto auf dem Tacho?“ Für Käufer von Gebrauchtwagen ist diese Angabe fast wichtiger als das Alter eines Fahrzeugs. Doch bei fünf bis zwölf Prozent aller Gebrauchtwagen auf den nationalen Märkten der EU wurde der Tachostand manipuliert. Beim grenzüberschreitenden Handel liegt die Quote sogar zwischen 30 und 50 Prozent.

Die Zahlen stammen aus einer Studie des Europäischen Parlamentes, an der auch alle großen deutschen Automobil-Organisationen vom ADAC bis zum Tüv mitgewirkt haben. Nun wollen die Parlamentarier Abhilfe schaffen. Sie fordern, das Erfassen und Speichern der aktuellen Laufleistung jedes Wagens EU-weit zur Pflicht zu machen – in einer Datenbank, die unter anderem von Werkstätten befüllt werden soll.

In Polen, Europas größtem Abnehmer für gebrauchte Fahrzeuge, kommen laut der Studie rund 90 Prozent aller bereits genutzten Autos mit gefälschten Kilometerangaben daher. Die Branche rechnet mit einem wirtschaftlichen Schaden von 5,6 bis 9,6 Milliarden Euro in der gesamten Union.

Bei neuen Fahrzeugen erfassen die Hersteller die Laufleistung bereits durch die Bordcomputer und können sie über den Schlüssel auslesen lassen. Dennoch bleibt ein Risiko: Denn frisch zugelassene Gefährte werden häufig schon vor dem ersten Werkstatt-Termin manipuliert.

Belgien und die Niederlande haben seit 2004 ein System namens CarPass eingeführt. Dabei werden die aktuellen Stände der Kilometerzähler bei regelmäßigen Inspektionsbesuchen in Werkstätten, aber auch von Pannenhelfern erfasst und in einer Datenbank gespeichert. Seitdem verschwand das Phänomen des Tachometer-Betrugs in den Ländern nahezu völlig.

Im grenzüberschreitenden Handel blieben die Schummeleien konstant, weil eine europäische Lösung fehlt. Die Einführung einer solchen Pflicht zu Erfassung und Speicherung der Laufleistung wäre mit den vorhandenen Mitteln denkbar einfach, heißt es in Brüssel. Zum einen verfügt die EU mit „Eucaris“ bereits über eine Datenbank – Einträge sind dort aber freiwillig. Zum anderen hielte sich der Aufwand für Werkstätten, Tüv-Agenturen und andere in Grenzen. Auch bisher hinterlassen diese bei Überprüfungen einen Aufkleber mit den Kilometerangaben. Nur ist der leicht zu fälschen.

Kommentrar von Detlef Drewes: Schummeleien

Als Belgien 2004 sein CarPass-System einführte, sank die Zahl der Tacho-Manipulationen um 97 Prozent. Der Weg erscheint dermaßen einfach, dass man sich fragen muss, warum nicht auch andere EU-Staaten längst auf diese Lösung zurückgegriffen haben und die EU-Kommission ihn bis zur Vorlage einer besseren Idee aufgegriffen hat. Denn es geht um Schäden in Höhe von knapp zehn Milliarden Euro und massive Probleme bei der Sicherheit von Fahrzeugen.

Verfälschte Tacho-Stände machen systematische Wartungsintervalle unmöglich, Teile werden verfrüht oder zum falschen Zeitpunkt ausgewechselt. Dass der Käufer eines auf jung getrimmten Alt-Fahrzeuges höhere Reparaturkosten zu tragen hat, liegt auf der Hand.

So erscheint der Vorstoß aus dem Parlament der Union vernünftig, sich der schon vorhandenen Eucaris-Datenbank zu bedienen, um dort von Werkstätten, Pannenhelfern und Tüv-Stellen die aktuellen Laufleistungen zu registrieren. Warum ist die Verwaltung der EU nicht längst tätig geworden?

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