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Nacht-Reisen: ÖBB statt Deutsche Bahn : Es ist nicht aller Tage Abend

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Die Deutsche Bahn verabschiedet sich von ihren Schlafwagen – doch für Nacht-Reisende ist Rettung in Sicht

svz.de von
erstellt am 29.Jul.2016 | 21:00 Uhr

Die einen machen mit Nachtzügen Verluste und verabschieden sich von ihnen. Die anderen betreiben Schlafwagen profitabel und wollen ihr Angebot erweitern. Das passt auf den ersten Blick nicht zusammen. Und doch ist es so.

Im Dezember wird die Deutsche Bahn ihre City Night Line (CNL) einstellen, die zurzeit mit Liege- und Schlafwagen noch auf elf Strecken unterwegs ist, etwa von Hamburg und von Berlin nach Zürich oder von Zürich über Frankfurt nach Prag. Die drei verlustreichsten Verbindungen, darunter Hamburg und Berlin nach Paris, waren schon 2014 gestrichen worden. „An den Wochenenden und zur Hauptreisezeit sind wir fast immer ausgebucht“, erzählt der Schaffner von Zug CNL 471, der die Strecke Berlin-Zürich seit Jahren fährt. An Wochentagen blieben die Kunden dagegen vermehrt aus. Besonders frühe und späte Flugverbindungen machen der Bahn Konkurrenz. Außerdem sind die in die Jahre gekommenen Wagen und durchgelegene Matratzen gute Gründe, sich Alternativen zu suchen.

Die Deutsche Bahn hat die Nachtzugflotte in den vergangenen Jahren vernachlässigt. An den Wagen hat der Konzern nur noch das Nötigste repariert und auch der Service wurde zunehmend schlechter. So verkehren die Nachtzüge seit 2014 ohne Speisewagen.

Ein Abschied auf Raten, der mit dem Fahrplanwechsel am Jahresende endgültig wird. Für die Nostalgiker unter den Reisenden ist jedoch Rettung in Sicht. Denn die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) wollen den Nachtzugverkehr in Deutschland weiterführen. Anders als die Deutschen machen sie mit ihren Nachtreisezügen seit Jahren so gute Geschäfte, dass sie jetzt sogar den Ausbau vorantreiben – mit zusätzlichen aufgemöbelten oder ganz neu gestalteten Schlaf- und Liegewagen. „Für den Nachtzug ist noch nicht aller Tage Abend“, frohlockt der Grünen-Bahnpolitiker Matthias Gastel. Er hat aus vertraulichen Quellen eine vorläufige Aufstellung der Nachtzugverbindungen im kommenden Jahr erhalten. Demnach haben die ÖBB täglich Trassen reserviert für die Strecken Düsseldorf-Frankfurt-München-Innsbruck, Hamburg-Berlin-Frankfurt-Basel und Hamburg-München-Innsbruck.

Auf mindestens sechs weiteren Linien mit Teilabschnitten in Deutschland fahren die ÖBB wie bisher, möglicherweise kommen noch Nachtzüge von München nach Italien hinzu. Bahnexperte Gastel hofft, dass die ÖBB „einen hochwertigen Service im Zug anbieten“. Das Know-how im Nachtzuggeschäft hätten sie jedenfalls.

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