Altkleider : Entsorgung bald kostenpflichtig?

Altkleider-Händler Simon Kinyanjui auf dem Toi-Markt in Nairobi (Kenia)
Altkleider-Händler Simon Kinyanjui auf dem Toi-Markt in Nairobi (Kenia)

Wegen schnelllebiger Modetrends klagt die Branche über eine immer schlechtere Qualität der abgegebenen Stücke

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18. September 2018, 12:00 Uhr

Die in Sammlungen gegebenen Mengen an Altkleidern übersteigen den Bedarf karitativer Organisationen längst „um ein Vielfaches“, berichtet Thomas Ahlmann vom Dachverband Fairwertung, einem Zusammenschluss von über 130 gemeinnützigen Altkleider-Sammelorganisationen. Weniger als zehn Prozent benötigen die gemeinnützigen Sammler für ihre soziale Arbeit vor Ort. Die Überschüsse werden an gewerbliche Firmen verkauft.

Längst sei die Entsorgung minderwertiger Textilien zu einem Zuschussgeschäft geworden, das mit Erträgen aus dem Verkauf der besseren Stücke subventioniert werden müsse. In der Branche werde angesichts eines steigenden Anteils minderwertiger Textilien diskutiert, wie lange die Entsorgung noch kostenlos angeboten werden könne, sagt Ahlmann.

Mit lediglich etwa zwei bis vier Prozent der abgegebenen Textilien kann nur ein verschwindend geringer Teil in gewerblichen Secondhand-Shops in Deutschland und Europa verkauft werden. Der Großteil der noch tragbaren Textilien geht an Abnehmer in Osteuropa, dem Mittleren Osten und in Afrika. In Kenia etwa ist der Handel mit Altkleidern ein großes Geschäft. Die Hauptstadt Nairobi ist übersät mit „Mitumba“-Märkten. An Ständen werden Jeans und Sportschuhe, T-Shirts und Unterwäsche – vor allem aus Europa und Amerika – verkauft. Die Menschen würden die Secondhand-Ware mögen, sagt Simon Kinyanjui, der auf dem Toi-Markt in Nairobi Altkleider anbietet. Secondhand-Stücke aus Europa und Amerika hätten bessere Qualität und seien langlebiger als neue Kleidungsstücke, die man in Kenia bekomme, sagt der 37-Jährige.

Die Ostafrikanische Gemeinschaft (EAC) hat bis 2019 aber einen Importstopp für Altkleider angekündigt. Zwar sind die Länder inzwischen etwas zurückgerudert, vor allem auf Druck aus den USA. Uganda, Ruanda und Tansania aber haben ihre Steuern auf importierte Secondhand-Kleidung erhöht, Kenia hält sich noch zurück.

Befürworter von Einfuhrbeschränkungen gibt es viele. „Ein derartiges Verbot würde die heimische Textilindustrie fördern“, sagt der stellvertretende Leiter der Kenianischen Industrie- und Handelskammer, James Mureu. Zwar sieht er ein, dass es zunächst schwierig wäre, die Nachfrage aus der lokalen Produktion zu decken: „Aber Not macht erfinderisch.“ Derzeit würden nur rund 15 Prozent der in EAC-Ländern produzierten Baumwolle vor Ort verarbeitet, der Rest werde exportiert, so der East African Business Council. Der Verband befürwortet daher, den Altkleiderhandel schrittweise abzuschaffen. Händler Kinyanjui bereiten die Einfuhrbeschränkungen Sorgen. „Es wäre sehr schlimm. Ich kann keine Neuware verkaufen, ich mache da kaum Gewinn“, sagt er. Auch in Deutschland schrillen die Alarmglocken. Ein Importstopp von Altkleidern in Afrika hätte Auswirkungen auf die Branche bis hin zu einer möglichen Marktkrise: „Die Läger würden volllaufen“, schätzt Ahlmann ein.

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