Abgas-Skandal : Ein Auto-Gigant tritt ab

<p>Martin Winterkorn, Vorstandsvorsitzender der Volkswagen AG</p>

Martin Winterkorn, Vorstandsvorsitzender der Volkswagen AG

Martin Winterkorn tritt als Vorstandschef von Europas größtem Autobauer Volkswagen zurück.

svz.de von
23. September 2015, 17:09 Uhr

Die Ära Martin Winterkorn bei Volkswagen ist vorbei. „Volkswagen braucht einen Neuanfang – auch personell. Mit meinem Rücktritt mache ich den Weg dafür frei“, lässt sich der 68-Jährige gestern pünktlich zum Börsenschluss in Frankfurt von der Kommunikationsabteilung des Wolfsburger Autobauers zitieren.

Damit erreicht die Abgas-Krise nicht nur einen Höhepunkt. Zugleich endet um Punkt 17.00 Uhr die achtjährige Amtszeit des Managers an der VW-Spitze, die bislang nur eine Richtung kannte: steil bergauf.

Ruhe tritt deshalb rund um die Zentrale des Weltkonzerns aber nicht ein. Für die Aufsichtsratssitzung am Freitag kündigte das mächtige Präsidium Vorschläge für die Nachfolge an. „Um irgendwelchen Spekulationen vorzubeugen oder vorzugreifen, möchte ich festhalten, dass Vorschläge zur personellen Neubesetzung erst am Freitag in dieser Woche im Aufsichtsrat beraten werden“, sagt Berthold Huber, der Interims-Präsidiumschef, mit aufgekratzter Stimme. Danach werde die Öffentlichkeit über die „Gedanken und Überlegungen“ informiert.

Hubers Wunsch dürfte aber kaum Gehör in den Medien finden. Seit Tagen kursieren Kandidaten fürs Erbe des bisher bestbezahlten Dax-Managers in den Nachrichten. Namen wie Audi-Chef Rupert Stadler, VW-Markenchef Herbert Diess und Lkw-Chef Andreas Renschler machen die Runde. Auch Porsche-Chef Matthias Müller werden von Insidern Chancen eingeräumt.

Letzterer war Wunschkandidat des längst geschassten VW-Patriarchen Ferdinand Piëch, der Winterkorn ersetzt sehen wollte.

Dessen unrühmliches Karriereende hatte sich nicht erst gestern angedeutet. Nach seiner öffentlichen Entschuldigung am Dienstag per Videobotschaft waren Schulterklopfer oder demonstrative Rückendeckungen aus dem fünfköpfigen Präsidium ebenso Fehlanzeige wie von anderen einflussreichen Personen. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur hatte Winterkorn in der Präsidiumssitzung bis zuletzt um seinen Chefsessel gekämpft. Doch für den „glaubhaften Neuanfang“, wie Huber es nennt, muss er nun seinen Platz räumen.

Daran ändert selbst die geäußerte Unschuldsvermutung für den Schwaben nichts. „Wir wollen dabei ausdrücklich festhalten, dass Herr Dr. Winterkorn keine Kenntnis hatte von der Manipulation von Abgaswerten“, betont Huber. Insider erklären, dass er es als oberster Chef der Entwicklungsabteilung hätte wissen müssen.

Volkswagen ohne Winterkorn - das war bisher unvorstellbar. Bis zum Ausbruch der nicht nur in Deutschland wohl beispiellosen Unternehmenskrise galt seine Vertragsverlängerung durch den VW-Aufsichtsrat am Freitag als reine Formalie.

Doch die manipulierten Abgastests in den USA haben nicht nur den Aktienkurs zwischenzeitlich in freien Fall, sondern auch das oberste Kontrollgremium in den Krisenmodus versetzt.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen