zur Navigation springen

Elektromobilität : E-Autos nur mit Ladesäulen

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Ohne eine vernünftige Infrastruktur nützt auch die beste Prämie für Elektrofahrzeuge nichts, sagen Experten

svz.de von
erstellt am 03.Feb.2016 | 12:00 Uhr

Keine Schnellschüsse, sondern durchdachte Konzepte: Mögliche Kaufzuschüsse für Elektroautos können nach Expertenmeinung nur mit einer präzisen Strategie erfolgreich sein. Dazu gehörten eine Verzahnung von Energie- und Verkehrssystem sowie gezielte Förderung statt pauschaler Subventionen, betonten die Wissenschaftler Claudia Kemfert und Ferdinand Dudenhöffer. In der Politik bleibt das Thema vor einem Spitzengespräch mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) umstritten. Mit Professor Ferdinand Dudenhöffer, Automobilexperte an der Universität Duisburg-Essen, sprach Rasmus Buchsteiner.

Bis 2020 sollen eigentlich eine Million Fahrzeuge mit Elektroantrieb auf Deutschlands Straßen unterwegs sein. Ist es jetzt Zeit für eine E-Auto-Kaufprämie?
Dudenhöffer: Wenn Deutschland ein modernes Industrieland bleiben will, sollte die Elektromobilität ans Laufen gebracht werden. Bisher ist außer der Ankündigung der Kanzlerin vor acht Jahren, dass wir das mit den eine Million Autos bis 2020 schaffen, nichts passiert. Weder gibt es eine Kaufprämie noch ist in nennenswertem Maße in Ladeinfrastruktur investiert worden. Wir haben gerade einmal 30 000 zugelassene reine Elektroautos. Wenn man die Hybride hinzuzählt, sind es immer noch weniger als 50 000. Das ist ein Armutszeugnis. Man könnte jetzt das Elektroauto attraktiver machen, indem die Steuer auf Dieselfahrzeuge erhöht wird. Aber das scheint mir politisch nicht durchsetzbar zu sein. Die Prämie ist deshalb der bessere Weg.

dpa_18908400f1f329fc
 

Warum sollte der Staat Steuergeld für eine Technologie ausgeben, die sich bisher nicht durchgesetzt hat?
In den Großstädten kommen wir durch ein Weiter-so mit Diesel nicht weiter und würden immer häufiger Grenzwertüberschreitungen erleben. Es gilt, unzumutbare Gesundheitsbelastungen für unsere Bürger zu bekämpfen.

Außerdem dürfen wir unsere Industrialisierung in Deutschland nicht auf Null zurückfahren. Überall in der Welt wird in Elektromobilität investiert. Außerdem stehen den Autobauern neue, schärfere Grenzwerte für den Treibstoffverbrauch bevor. Ohne Elektroautos werden die deutschen Hersteller daran scheitern.

Welches Prämien-Modell schlagen Sie vor?
Wichtig ist erst einmal, dass auch genügend Ladesäulen geschaffen werden. Sonst bringt alles nichts. Die Prämie sollte in den Städten höher sein als auf dem flachen Land – weil dort der gesellschaftliche Vorteil durch die Abgasvermeidung größer ist. Reine Elektroautos sollten stärker gefördert werden als Hybridfahrzeuge, die nur 30 oder 40 Kilometer mit Strom fahren. Ich wäre für eine Kaufprämie von 5000 Euro für echte Elektroautos in Großstädten und 3000 bis 4000 Euro im ländlichen Raum. Bei Hybriden würden nur 50 Prozent gezahlt.

Weshalb sollten sich Kunden auch bei einer solchen Prämie für Fahrzeuge entscheiden, die viel teurer sind und geringere Reichweiten haben als herkömmliche Autos?
Die Prämie würde sicherlich keinen riesigen Verkaufsdurchbruch bringen. Vielleicht würden so 20 000 bis 30 000 Elektrofahrzeuge mehr verkauft. Trotzdem kann die Prämie Bewegung bringen: Das Elektroauto würde stärker ins Bewusstsein rücken. Schritt für Schritt wird sich die Technologie durchsetzen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen