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Tierwohl-Label : „Die Verbraucher wollen Klarheit und Wahrheit“

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Interview mit Bundesagrarminister Christian Schmidt zum neuen Tierwohl-Label und zu künftigen Lebensmittelpreisen

svz.de von
erstellt am 12.Jan.2017 | 21:00 Uhr

Das geplante Tierschutzlabel für Lebensmittel soll nach dem Willen von Agrarminister Christian Schmidt (CSU) die Qualität anstelle des Preises in den Mittelpunkt rücken. Unser Korrespondent Rasmus Buchsteiner sprach mit dem Ressortchef über die Pläne.

Was macht Sie so sicher, dass die Verbraucher am Ende tatsächlich bereit sind, mehr für Fleisch und Wurstwaren zu zahlen?
Schmidt: Es gibt eine ernsthafte Bereitschaft der Verbraucher, für mehr Tierwohl auch einen höheren Preis zu bezahlen. Wie unser Ernährungsreport gezeigt hat, sind 88 Prozent der Deutschen bereit, mehr für Lebensmittel zu zahlen, wenn Tiere dafür besser gehalten werden. Ziel ist es aber nicht, ein Premium-Luxus-Label einzuführen. Das ist nicht die Aufgabe des Staates. Wir wollen mit dem Label in die Breite der Tierhaltung wirken und ein Angebot für möglichst viele Verbraucher schaffen. Unser Ziel ist es, dass sich auch Gastronomie, Großverpflegung, Handwerk und Verarbeitungsindustrie beteiligen.

Wann kommt denn das neue Label?
Ich werde auf der Grünen Woche meinen Fahrplan und die Eckdaten für das Label präsentieren. Die Gespräche mit allen Beteiligten sind gut gelaufen. Ich möchte die gute Substanz der bereits bestehenden Brancheninitiative Tierwohl erhalten und nutzen. Mein Ziel ist, dass wir spätestens 2018 mit dem Label an den Start gehen.

Wird es allein für Frischfleisch gelten?
Das Label kann und soll auch für verarbeitete Produkte genutzt werden, also für Fertiggerichte und Wurst. Beginnen werden wir mit Schweinen und Mastgeflügel.

Ein Schwein muss heutzutage 0,75 Quadratmeter Platz im Stall haben. Ist das für Sie Tierwohl?
Es geht um eine tiergerechte Haltung. Da müssen die Bedingungen klar sein. Wir haben zum einen die gesetzlich festgeschriebenen Mindeststandards. Und daneben wird es das Tierwohllabel geben. Dabei werden die Anforderungen des Tierwohllabels, zum Beispiel beim Platz, den die Tiere im Stall haben, über die gesetzlichen Standards hinausgehen.

Und dann wird das Kilo Schweinehack für 3,40 Euro oder Gulasch für 4,99 Euro Geschichte sein?
Natürlich kann es mehr Tierwohl nicht zum Nulltarif geben. Aber anders als zum Beispiel mit Strafsteuern auf Fleisch, erreichen wir mit den Mehreinnahmen aus dem Label auch wirklich Fortschritte beim Tierwohl.

Verstehen Sie die Aufregung über Ihre Forderung, Bezeichnungen wie vegetarische Currywurst oder veganes Schnitzel zu verbieten?
Ich freue mich, dass ich eine intensive Debatte angestoßen habe. Und die Reaktionen waren überwiegend positiv. Ich bleibe bei dem, was ich gesagt habe. Die Verbraucher wollen Klarheit und Wahrheit. Deshalb sollten auch neue Produkte – wie vegane Lebensmittel, die herkömmliche Fleischprodukte nachempfinden, eine eigene klare und eindeutige Kennzeichnung haben. Wo Fleisch draufsteht, muss auch Fleisch drin sein.

Müsste man dann nicht auch Bezeichnungen wie „alkoholfreies Bier” verbieten?
Das alkoholfreie Bier ist Bier, aber das vegetarische Fleisch kein Fleisch.

Es wird ja auch nicht Fleisch genannt, sondern Schnitzel...
Noch einmal: Wir brauchen klare Bezeichnungen. Bei der veganen Putenbrust hört es für mich auf. Denken wir das Thema weiter: Wenn Fleisch-Ersatzstoffe künftig billiger sind als Fleisch, könnten wir ein echtes Problem bekommen. Dann besteht die große Gefahr der Verbrauchertäuschung. Beim Analogkäse haben sich darüber zu recht viele Menschen aufgeregt. Mein Ziel ist die größtmögliche Wahlfreiheit für die Verbraucher und dazu brauchen wir eine klare Kennzeichnung. Deshalb setze ich mich für eine klare Kennzeichnung von veganen Produkten ein.
 

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