EU-Kommission : Deutschland reißt Ammoniak-Grenzwerte

Das beanstandete Ammoniak stammt vor allem aus der Tierhaltung.
Das beanstandete Ammoniak stammt vor allem aus der Tierhaltung.

662.000 Tonnen im Jahr 2016 / Hauptquelle ist die Landwirtschaft / Habeck fordert Gegenmaßnahmen

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29. Juni 2018, 20:45 Uhr

Berlin | Nach dem Nitrat-Urteil droht bereits neuer Ärger mit den Umweltwächtern der EU-Kommission. In Deutschland wird zu viel schädliches Ammoniak ausgestoßen. Hauptverursacher: die Landwirtschaft. Das teilte die Bundesregierung der FDP-Bundestagsfraktion mit. Laut Agrarministerium lag der Ausstoß 2016 bei etwa 662 000 Tonnen, 2015 bei 670 000 und damit in beiden Jahren deutlich über den Grenzwerten. Eine Sprecherin der EU-Kommission stellte auf Anfrage unserer Redaktion fest: „Deutschland hat Maßnahmen zur Reduzierung der Ammoniakemission angekündigt, die jedoch bisher nicht zu einem Rückgang der gemeldeten Gesamtemissionen geführt haben.“

Die Europäische Umweltagentur wertet laut Kommission derzeit die 2016er-Werte der Mitgliedstaaten aus. Fest steht: Fünf Staaten, darunter Deutschland, haben erneut die Grenzwerte überschritten. Um wie viel genau, wird noch errechnet. 2015 waren es 38 Prozent Ammoniak zu viel – der letzte Platz in Europa.

Tatsächlich ist der deutsche Ausstoß in den vergangenen Jahren eher gestiegen. So lag der Ausstoß 2005 noch bei 625 000 Tonnen, schreibt die Bundesregierung. Gelingt eine Reduktion nicht, droht ähnlicher Ärger wie bei Nitrat. Die EU-Kommission könnte ein Vertragsverletzungsverfahren gegen Deutschland einleiten. Auf Nachfrage heißt es dazu in Brüssel kurz und knapp: „Wir spekulieren nicht.“

Nitrat und Ammoniak stammen überwiegend aus der Landwirtschaft. Die Bundesregierung führt den Ammoniak-Ausstoß zu etwa 95 Prozent auf den Agrarsektor zurück. Der Stoff kommt beispielsweise mit der Stallluft oder beim Düngen mit Gülle oder Gärresten aus Biogasanlagen in die Umwelt. Hier nimmt das Ammoniak Einfluss auf Ökosysteme.

Erst im Mai hatte der Bundestag mehrheitlich eine Verordnung erlassen, die eins zu eins Reduktionsziele der EU umsetzt. Bis 2030 muss jetzt der Ammoniakausstoß hierzulande um 29 Prozent im Vergleich zum Wert von 2005 gesenkt werden – nach jetzigem Stand also auf 444 000 Tonnen. Der FDP-Abgeordnete Karlheinz Busen warnte: „Die Vorgaben werden viele ehrbare Landwirte ruinieren.“ Er verweist auf hohe Anschaffungs- und Betriebskosten von Filteranlagen, die Ammoniak aus der Stallluft waschen. Für große Ställe sind solche Filter bereits in Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein und Thüringen vorgeschrieben. Die Effizienz beziffert die Bundesregierung mit 70 Prozent.

Schleswig-Holsteins Umweltminister Robert Habeck (Grüne) sprach unterdessen von einer „großen, aber auch notwendigen Aufgabe“. Die Ammoniak-Einträge in die Umwelt seien „deutlich zu hoch“. Die Regierung müsse zügig Gegenmaßnahmen umsetzen. „Am Ende zeigt uns auch dieses Problem, dass wir nicht darum herumkommen werden, uns die Frage zu stellen, in welchem Umfang Tierhaltung in Deutschland möglich ist, ohne die Umwelt über Gebühr zu belasten“, sagte der Bundesvorsitzende der Grünen.

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