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Serie: Maritime Wirtschaft : Der Kampf der U-Boot-Bauer

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

ThyssenKrupp in Kiel kann im Kampf um einen Großauftrag aus Schweden die Konkurrenz aus Frankreich hinter sich lassen.

Die Erleichterung bei ThyssenKrupp Marine Systems (TKMS) war groß, als die Regierung in Oslo vor wenigen Tagen die frohe Kunde überbrachte: Deutschland soll strategischer Partner von Norwegen werden – und die Kieler Werft vier U-Boote für die königliche Flotte und zwei baugleiche für die Bundesmarine bauen. Für die frühere Howaldts-Werke Deutsche Werft (HDW) kommt der auf rund vier Milliarden Euro geschätzte Auftrag einem Befreiungsschlag gleich. Denn intern hatte TKMS die Mitarbeiter schon auf Krisenzeiten eingeschworen, nachdem die Kieler beim Bieten um Australiens sagenhaften 35-Milliarden-Deal zum Bau von zwölf U-Booten leer ausgegangen waren. Statt TKMS hatte ein Konzern aus Frankreich das Rennen gemacht – Direction des Constructions de Navales (DCNS).

Mit dem Norwegen-Geschäft gelang TKMS daher auch ein kleiner Sieg im Kampf der Systeme. Denn die ThyssenKrupp ist ein privatwirtschaftliches Unternehmen. Hinter DCNS steht der französische Staat. Aus Sicht vieler Beobachter war es nicht zuletzt der Einfluss des französischen Staates, der beim Australien-Deal DCNS den Zuschlag einbrachte. So hat Frankreich – anders als Deutschland – Truppen im Pazifikraum und im indischen Ozean stationiert; in jener Region also, in der angesichts der aufstrebenden chinesischen Großmacht ein Großteil vom künftigen Wachstum des weltweiten U-Boot-Marktes erwartet wird. Und während der französische Staat im Auswahlverfahren eine ganze Ministerriege samt Präsident nach Australien schickte, zeigte sich die Kanzlerin dort zuletzt 2014. Zudem fremdelte die deutsche Politik in Person von Sigmar Gabriel daheim offen mit der Rüstungsindustrie.

Zu dieser Politik gehört auch, dass aus Canberra das Angebot der Deutschen massiv kritisiert wurde. Die Fähigkeiten des Schiffes wurden bezweifelt, die Kosten der Deutschen, die den Australiern ein günstigeres Angebot gemacht hatten als die Franzosen, in Frage gestellt. Doch das alles sind womöglich nur Nebelkerzen – einige von vielen im Wettstreit der U-Boot-Bauer. Denn australische Medien haben vermutet, die Franzosen hätten den Zuschlag für etwas bekommen, was in der Ausschreibung nicht erwähnt wurde. Anders als TKMS baut DCNS auch U-Boote mit Atomantrieb und hat selbst eine künftige nukleare Option für Australiens Flotte ins Spiel gebracht. Bislang lehnt die Mehrheit der Australier dies aber ab.

>> Im Nächsten teil lesen Sie, was es mit „Green Shipping“ auf sich hat.


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