Wirtschaft : Der Job-Boom geht weiter

Experten erwarten in diesem Jahr erstmals Flüchtlingsandrang in Jobcentern

svz.de von
12. Januar 2018, 11:55 Uhr

Zumindest in einem sind sich die Experten einig: Deutschlands Job-Boom wird auch 2018 weitergehen. Beim künftigen Tempo, mit dem die Arbeitslosenzahl sinken wird, sind sich die Arbeitsmarkt- und Konjunkturforscher allerdings uneinig. Die Prognosen der Fachleute reichen von Euphorie bis zu vorsichtiger Skepsis. Andere sehen, nachdem die Arbeitslosenzahlen längst auf ein Rekordtief gesunken sind, schlicht das Ende der Fahnenstange erreicht. Denn auch wenn die Konjunktur 2018 weiter kräftig brummen dürfte – die immer deutlicher zu Tage tretenden Besonderheiten des deutschen Arbeitsmarktes dürften zu einer weiteren Abkoppelung der Arbeitslosigkeit von der konjunkturellen Entwicklung führen, deutet die Deutsche Bundesbank an. Die Forscher des Nürnberger Instituts für Arbeitsmarktforschung (IAB) geben sich jedenfalls erstaunlich zurückhaltend. Nach drei Boomjahren rechnen die Nürnberger Forscher für 2018 mit einer Verschnaufpause auf dem deutschen Arbeitsmarkt. Im Jahresschnitt geht das IAB nur noch von einem Rückgang der Arbeitslosigkeit um 60 000 auf 2,48 Millionen Jobsuchende aus. 2017 sackten die Erwerbslosenzahlen noch um rund 160 000 ab.

Dabei ist die Bandbreite der Experten-Prognosen für 2018 so groß wie selten: So sehen einige Ökonomen die deutsche Wirtschaft in so guter Verfassung, dass sie ihr eine Senkung der Arbeitslosigkeit im Jahresschnitt um bis zu 150 000 auf bis zu 2,4 Millionen zutrauen. Andere sind hingegen davon überzeugt, das die Arbeitslosigkeit auf dem bereits extrem niedrigen 2017er-Niveau von 2,53 Millionen Arbeitslosen verharren wird.

Schwieriger Ausblick auf auf den Arbeitsmarkt: Die alten Gleichungen: „Gute Konjunktur = Job-Boom“ und „Konjunktur-Flaute = Job-Flaute“ gelten schon länger nicht mehr. Was aktuell die Arbeitsmarktentwicklung überlagert, sind vor allem zwei Faktoren: Die Auswirkungen des Flüchtlingszustroms und die schwer kalkulierbaren Auswirkungen des zunehmenden Fachkräftemangels. Die Bundesagentur ist überzeugt, dass Flüchtlinge 2018 erstmals in stärkerem Maße in die Jobcenter drängen werden. Das IAB taxiert den „Flüchtlingseffekt“ auf etwa 60 000.

Klaus Tscharnke

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