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ADAC : Der frisierte „gelbe Engel“

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Ausgerechnet beim Thema Lieblingsauto der Deutschen hat der ADAC mit gefälschten Zahlen operiert

Die Pannenhelfer des ADAC stehen bei den Autofahrern hoch im Kurs. Doch nun muss der Club selbst eine schwere Panne melden. Beim Autopreis „Gelber Engel“, benannt nach den Helfern auf der Straße, wurde mit frisierten Zahlen gearbeitet. Michael Ramstetter (60), ADAC-Kommunikationschef und Chefredakteur der Mitgliederzeitschrift „Motorwelt“, übernimmt–- so eine Mitteilung des Autoclubs –- „die alleinige persönliche Verantwortung“ und hat alle Funktionen beim ADAC niedergelegt. Dem Verein mit rund 19 Millionen Mitgliedern droht eine Vertrauenskrise.

Das Wort des ADAC gilt viel. Seine Auto-Kritiken und Crashtests sind viel beachtet. Der Club testet Reifen, Kältemittel, Kindersitze und vieles mehr. Bei der Untersuchung von Tunnel, Fähren und Autobahn-Raststätten deckt er zum Teil gravierende Mängel auf und will damit Verbesserungen vorantreiben. Der ADAC sieht sich als Fürsprecher der Verbraucher und tritt dabei mit großem Selbstbewusstsein auf. Kritik etwa am „Club der Raser“, der ein generelles Tempolimit auf den Autobahnen stets abgelehnt hat, ließ der gelbe Riese in München mit Mitgliedsbeiträgen von mehr als einer Milliarde Euro stets an sich abperlen.

Doch nun hat das Image des objektiven Verbraucheranwalts einen gewaltigen Kratzer bekommen. Beim Autopreis „Gelber Engel“ musste der Autoclub ausgerechnet in der Kategorie Lieblingsauto der Deutschen, zu dem der VW Golf gewählt wurde, künstlich hochgeputschte Zahlen einräumen. Zuerst hatte die „Süddeutsche Zeitung“ darüber berichtet.

Doch die ADAC-Führung zeigte sich zunächst unerschüttert. Bei der Feier zur Auszeichnung des VW Golf am vergangenen Donnerstag hatte ADAC-Geschäftsführer Karl Obermair noch von „Unterstellungen und Unwahrheiten“ gesprochen. Er hatte gespottet, immerhin seien die vier Buchstaben ADAC richtig abgedruckt worden.

Ob der ADAC, der sich mit seiner neuen Zentrale in München für mehr als 300 Millionen Euro ein architektonisches Denkmal gesetzt hat, allein mit dem Weggang von Ramstetter schnell wieder in ruhiges Fahrwasser kommt? Wie glaubwürdig sind nun die anderen Tests? „Auch die Pannen- und Tunnelstatistik müsste man jetzt untersuchen“, sagt Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen. Wenn beim Gelben Engel gelogen worden sei, könne man das auch für die anderen Bereiche nicht ausschließen. Der Experte sieht grundsätzliche Mängel im System des ADAC, der mit seinen rund 8600 Mitarbeitern und kommerziellen Tochtergesellschaften ein Wirtschaftskonzern ist.

Der Sportwagenhersteller Porsche verteidigte den ADAC – die Umfragen und Untersuchungen des Automobilclubs seien grundsätzlich als objektiv einzuschätzen, sagte ein Sprecher des Unternehmens. Ansonsten werde man der vom ADAC angekündigten „lückenlosen Aufklärung der Vorwürfe“ nicht vorgreifen. In der ADAC-Pressestelle heißt es, Glaubwürdigkeit sei das höchste Gut und dafür werde man alles tun. Deshalb soll auch die Preisvergabe der vergangenen Jahre unter die Lupe genommen werden. Trotzdem sorgte für Erstaunen, dass der ADAC nur mit einer schriftlichen Mitteilung die Manipulation einräumte und Ramstetters Abgang bekanntgab. Keine Pressekonferenz, kein ADAC-Präsident Peter Meyer, der sich Fragen stellen würde. Aber vielleicht kommt das noch - nach der „lückenlosen internen Prüfung“.

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erstellt am 19.Jan.2014 | 12:40 Uhr

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