Funde des Zolls : Das Elefantenohr im Reisekoffer

Rheumapflaster mit Affenhoden und Tigerknochen
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Rheumapflaster mit Affenhoden und Tigerknochen

Tiefgefrorene Singvögel, Rheumapflaster aus Affenhoden und Tigerknochen – all das haben Zollbeamte an deutschen Grenzen sichergestellt

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05. Juni 2016, 09:00 Uhr

Was macht man eigentlich mit einem Elefantenohr? Keine Ahnung, sagen die Zollbeamten. Sie haben es kürzlich am Münchner Flughafen in einem Koffer gefunden und mussten prüfen, ob die Einfuhr nach Deutschland zulässig ist. Die meisten Elefanten genießen wie Tiger, Nashörner und Menschenaffen höchsten Schutz. Schmuggler und Wilderer hält das nicht ab.

Gerade erst hat Kenia ein Zeichen gesetzt und 100 Tonnen beschlagnahmtes Elfenbein verbrannt. Es soll die größte Menge sein, die je zerstört wurde. Der illegale Handel mit Wildtieren und ihren Produkten ist ein Pro-blem, dem sich auch der Weltumwelttag am 5. Juni widmet.

Auch Touristen schaffen oft illegale Urlaubs-Souvenirs nach Hause. „Leider ist sehr weit verbreitet, dass Touristen artgeschützte Gegenstände mitbringen, oft aus Unwissenheit“, sagt Dietmar Zwengel, Sprecher des für den Zoll zuständigen Bundesfinanzministeriums.

Prominenter Fall: Popstar Justin Bieber, der vor drei Jahren im Privatjet mit dem Kapuziner-Äffchen „Mally“ in München landete. Ausreichende Papiere hatte er nicht. Der Mädchenschwarm zahlte mehrere Tausend Euro: Bußgeld und Pflegegeld für das Tier.

Öfter als Affen werden lebende Vogelspinnen, Reptilien und Vögel mitgebracht, etwa Graupapageien, berichtet der Umweltverband Pro Wildlife. Allein die Auffangstation Limbe Wildlife Centre in Kamerun nahm seit 2007 mehr als 3500 Graupapageien auf. „Sie wurden von den Behörden beschlagnahmt und waren für den Heimtiermarkt bestimmt“, sagte Adeline Fischer von Pro Wildlife. Besonders Produkte, die aus geschützten Tieren oder Pflanzen hergestellt sind, kommen „nicht mehr nur im Koffer aus dem Urlaub, sondern per Post über Internetbestellung“, sagt Zwengel. „Was sehr oft vorkommt und als Trend zu erkennen ist: Pflanzliche Kapseln und Diätmittel werden häufig geschmuggelt“, sagt Zwengel. Im vergangenen Jahr beschlagnahmte der Zoll bundesweit 480 000 Diät-Kapseln aus der streng geschützten indischen Kostuswurzel.

Speziell ausgebildete Artenschutzspürhunde sind zwischen Kisten und Koffern unterwegs, um Schmuggelware bei der Einfuhr aufzuspüren. Auch mit ihrer Hilfe wurden entdeckt: zehntausend Krokodilhäute, 24 Tonnen europäischen Aals und 1,5 Tonnen lebende Steinkorallen. In München fanden die Beamten kürzlich einen halb mumifizierten Affenschädel und Rheumapflaster aus Affenhoden und Tigerknochen.

Manches macht die Röntgenkontrolle im Gepäck sichtbar. „Dann wird der Reisende zur Kontrolle gebeten“, sagt Thomas Meister vom Zoll in München. So fanden die Beamten im Koffer eines aus Rumänien kommenden Italieners 200 tiefgefrorene Singvögel für den Kochtopf. „Das kalte Grausen.“ Dass die Tiere in der EU seit gut 35 Jahren streng geschützt sind, wusste der Mann angeblich nicht.

Politische Instabilität leiste dem illegalen Handel Vorschub, sagt Dietrich Jelden, Abteilungsleiter Artenschutzvollzug am Bundesamt für Naturschutz. Paramilitärisch organisierte Gruppierungen wie im Kongo oder mafiaähnlich hochgerüstete kriminelle Organisationen in Kambodscha oder Indonesien machen ihre Geschäfte. Schildkröten würden ebenso gehandelt wie Kobras und Riesenschlangen, die in China als Delikatesse gelten. Das Leder lande als Damenhandtasche in europäischen Edelboutiquen.

„Es geht deshalb vor allem darum, im Rahmen der Entwicklungszusammenarbeit stärker einzugreifen“, sagt Jelden. Die SPD-Bundestagsabgeordnete Ute Vogt, die sich auch für Tierschutz einsetzt, sieht hier einen Schlüssel zur Bekämpfung des Wildtierhandels. In den betreffenden Ländern müsse individuell nach Lösungen gesucht werden. Etwa gebe es im Elefantenschutz Projekte, bei denen gezielt zugelassen werde, dass für viel Geld wenige Elefanten gejagt werden dürfen. „Das hat zur Folge, dass die Bevölkerung den Rest der Elefanten schützt.“

Die Weltartenschutzkonferenz will im Herbst in Südafrika über weitere Verschärfungen entscheiden – etwa beim Elfenbein. Die EU will mehrere Initiativen einbringen, um einen strengeren Schutz für Berberaffen, Graupapageien und diverse Echsen zu erreichen. Auch Rosenholz soll weltweit besser geschützt, der Handel mit Jagdtrophäen eingeschränkt und der Kampf gegen die Korruption verschärft werden.

Gerade die EU hat bereits strikte Vorschriften, die über die Washingtoner Artenschutzabkommen hinausgehen, wie Jelden vom Bundesamt für Naturschutz sagt. Aber immer noch sei trotz langer Listen der Handel vielfach legal möglich: „Mehr als 90 Prozent der gelisteten Arten kann man unter bestimmten Voraussetzungen gewerblich einführen.“

Im Fall des Elefantenohres am Münchner Flughafen haben Fachleute inzwischen entschieden: Das Stück darf nach Deutschland gebracht werden. Wozu es dient, blieb unbekannt.

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