Rabattschlacht : „Black Friday“: Das Milliardengeschäft mit dem Schnäppchentag

Der Schnäppchen-Tag „Black Friday“ kommt ursprünglich aus den USA – doch auch in Deutschland wird er immer beliebter.

Der Schnäppchen-Tag „Black Friday“ kommt ursprünglich aus den USA – doch auch in Deutschland wird er immer beliebter.

US-Tradition in Deutschland immer beliebter. Der Handelsverband erwartet zusätzliche Einnahmen von 1,7 Milliarden Euro.

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24. November 2017, 12:00 Uhr

Lange Schlangen vor den Einkaufszentren schon morgens um 5 Uhr. Eine Mischung aus freudiger Erwartung und nervöser Anspannung liegt in der Luft und dann – wenn sich die Türen den ersten Spalt öffnen – strömen, schubsen und drängeln sich zahllose Menschen kreischend hinein und geben sich dem Shopping-Fieber hin. Am Freitag ist wieder „Black Friday“ – der Schnäppchentag, der in USA traditionell am Freitag nach Thanksgiving stattfindet und dort die heiße Phase des Weihnachtsgeschäfts einleitet. Ein ganzes Land befindet sich im Kaufrausch.

Tumultartige Szenen am Black Friday in den USA

Für Schnäppchenjäger sind gute Nahkampffertigkeiten an diesem Tag von Vorteil. Der Begriff Rabattschlacht beschreibt wohl ganz gut, was sich am „Black Friday“ in den USA  abspielt. Youtube-Videos zeigen die tumultartigen Szenen in verschiedenen Supermärkten und Malls. Da wird die Konkurrentin schon einmal mit einem kräftigen Griff in die Haare außer Gefecht gesetzt. Artikel werden scheinbar wahllos aus den Regalen gegriffen – Hauptsache erstmal haben. Andere Kunden klammern sich verzweifelt an Flachbildschirmen fest, die größer sind als sie selbst, während von der anderen Seite zwei weitere Interessenten an dem Karton zerren. Und wer am Ende leer ausgeht, lässt seiner Enttäuschung und Wut schon mal freien Lauf.

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Der „Black Friday“ in Deutschland

Ob es in Deutschland bald ähnliche Zustände geben wird? Nachdem schon der Valentinstag und Halloween aus den USA herübergeschwappt sind, fasst auch der „Black Friday“ hierzulande zumindest mehr und mehr Fuß – und mit ihm vor allem das Online-Gegenstück, der „Cyber Monday“ drei Tage später. Der Handelsverband Deutschland (HDE) rechnet damit, dass die beiden Schnäppchentage für zusätzliche Umsätze von rund 1,7 Milliarden Euro sorgen werden.

Immer mehr Händler sind bei dem Rabattmarathon dabei – viele dehnen die Schnäppchentage sogar auf eine ganze Woche aus. Amazon Deutschland etwa startete seine „Cyber-Monday-Woche“ bereits am vergangenen Montag und verspricht den Kunden mehr als 55.000 Angebote. Die Elektronikmarktkette Saturn lockt mit einer „Black Week“ und verspricht „die besten Angebote des Jahres“. Auch viele andere wie etwa die Supermarktkette Real und die Warenhauskette Karstadt werben mit Sonderangeboten.

„Black Friday und Cyber Monday sind heute schon sehr wichtig für den Handel – und sie werden immer wichtiger. Wir haben gesättigte Märkte in Deutschland. Da braucht man solche Anlässe, damit die Leute mehr kaufen“, ist sich der Marketingexperten Martin Fassnacht von der Wirtschaftshochschule WHU sicher. Im vergangenen Jahr hätten bereits 16 Prozent der deutschen Verbraucher den „Black Friday“ für reduzierte Einkäufe genutzt, den „Cyber Monday“ 13 Prozent, berichtet zudem der HDE.

Eine gemeinsame Studie von Ebay und dem Kölner Handelsforschungsinstitut ECC zeigt zudem, dass sich das Einkaufsverhalten der Bundesbürger insbesondere beim Online-Shopping verändert hat. „Es findet eine Verschiebung der Umsätze insbesondere von der ersten Dezemberhälfte auf die zweite Novemberhälfte statt“, sagt Eben Sermon, Vizepräsident von Ebay Deutschland.

Nicht immer ist ein Schnäppchen wirklich ein Schnäppchen

Doch auch wenn viele Händler mit Sonderangeboten locken, sei es ratsam, einen kühlen Kopf zu bewahren. Auf Preisvergleiche sollte auch im Black-Friday-Trubel nicht verzichtet werden, raten Verbraucherschützer. So ergaben Stichproben des Preisvergleichsportals guenstiger.de im vergangenen Jahr, dass nur jedes zweite getestete Angebot wirklich ein Schnäppchen war.

Bei einem Viertel der angeblichen Sonderangebote zahlten Käufer am Ende mehr als bei konkurrierenden Händlern. Oft bezogen sich die Rabatte zudem auf die unverbindliche Preisempfehlungen der Hersteller, die in vielen Fällen deutlich über den aktuellen Marktpreisen liegen. Ein weiteres Viertel entsprach den üblichen Marktpreisen.

Woher kommt der Name „Black Friday“?

Genau geklärt ist tatsächlich nicht, woher der Name „Black Friday“ stammt. Dafür gibt es mehrere Theorien.

Menschenmassen

Eine Theorie ist, dass der Name auf die Menschenmassen in den Straßen und Einkaufszentren zurückzuführen ist, die an diesem Tag in vielen amerikanischen Metropolen unterwegs sind und wie eine einzige schwarze Masse aussehen.

Gewinnzone

Wohl die plausibelste Theorie erklärt den Namen damit, dass die Händler an diesem umsatzstarken Tag die Chance haben, in die Gewinnzone zu kommen – also schwarze Zahlen zu schreiben.

Druckerschwärze

Gerne wird in diesem Zusammenhang auch der Hinweis gebracht, dass die Händler an diesem Tag schwarze Finger vom Geldzählen haben.

Kritische Stimmen

Der Black Friday steht aber auch in der Kritik. In rund 65 Ländern wird am selben Tag – beziehungsweise einen Tag später – der konsumkritische Aktionstag „Buy-Nothing-Day“ (deutsch: Kauf-Nichts-Tag) organisiert. Initiiert hat ihn 1992 die kanadische Medien- und Werbeagentur Adbusters Media Foundation. Die Idee: durch Konsumverzicht gegen Produktions- und Handelsstrategien internationaler Konzerne protestieren und über das eigene Konsumverhalten nachdenken.

Übrigens: Einen anderen Weg geht am Freitag auch die Drogeriemarktkette dm. Unter dem Motto „Giving Friday“ werden fünf Prozent des Tagesumsatzes an Bildungsprojekte für Kinder und Jugendliche gespendet. 

„Black Friday“ - was ist das?

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