Preisverfall : Billig, billiger, Lebensmittel

Viele Grundnahrungsmittel wie auch Markenprodukte sind preiswert wie nie.
Viele Grundnahrungsmittel wie auch Markenprodukte sind preiswert wie nie.

Viele Produkte gibt es zurzeit zum Schnäppchenpreis – was steckt hinter dem Preisverfall?

svz.de von
15. September 2015, 06:30 Uhr

Zehn Eier aus Bodenhaltung für 99 Cent, das 250-Gramm-Paket Markenbutter für 79 Cent und der Liter Vollmilch für 55 Cent: Viele Grundnahrungsmittel sind in Deutschland derzeit so billig wie lange nicht mehr. Und auch bei Markenprodukten – vom Energydrink bis hin zu Kartoffel-Chips – bröckeln die Preise. Die Gründe dafür sind vielfältig:

Sinkende Rohstoffpreise: Die Großhandelspreise für Milch und Milchprodukte sind massiv unter Druck geraten. Denn in Europa gibt es zurzeit ein Überangebot an Milch. Einer der Gründe dafür ist das von Russland verhängte Einfuhrverbot für europäische Agrarprodukte. Gleichzeitig sank wegen der Wirtschaftsturbulenzen auch die Nachfrage aus China. Das Land ist einer der wichtigsten Abnehmer vor allem von Milchpulver aus Europa. Die Milchproduktion stieg dagegen mit dem Auslaufen der Milchquoten-Regelung an. Die Folge: Zu viel Angebot, zu wenig Nachfrage. Die Preise brachen ein. Eine kurzfristige Erholung ist nach Einschätzung der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft (AMI) nicht in Sicht.

Discounter-Krieg: Dass sich der Preisverfall nicht nur auf Milchprodukte beschränkt, dafür sorgte gleichzeitig der in den vergangenen  Monaten aufgeflammte Preiskrieg unter den deutschen Discountern. Marktführer Aldi hat damit begonnen, immer mehr Markenartikel in sein Angebot aufzunehmen und bietet die Produkte deutlich unter dem bisher üblichen Preisniveau an. Die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) sieht bereits „Einsturzgefahr“ für das fein austarierte Preisgefüge des deutschen Lebensmittelhandels.

Geiz ist nicht geil: Die Verbraucher in Deutschland sind zurzeit eher dabei, Abschied von der vielgescholtenen Geiz-ist-geil-Mentalität zu nehmen. Laut GfK haben die Discounter in Deutschland in den vergangenen zwölf Monaten Marktanteile verloren. Die Verbraucher gaben den klassischen Supermärkten mit ihrem größeren, aber auch höherpreisigen Angebot den Vorzug. Außerdem beobachten die Marktforscher das die Verbraucher vermehrt statt zu billigen Handelsmarken zu Markenartikeln greifen. Es wird eher auf Qualität geachtet.

Qualität:  Qualitätseinbußen durch die gesunkenen Preise brauchen die Verbraucher nach Einschätzung der Experten nicht zu fürchten.

Leidtragende: Bei Bauern und Umweltschützern stößt das niedrige Preisniveau bei Milch und Milchprodukten allerdings auf scharfe Kritik. Der Deutsche Tierschutzbund warnt, die von einer breiten Mehrheit geforderten höheren Tierschutz-standards seien mit Dumpingpreisen nicht möglich. Viele Milchbauern fühlen sich in ihrer Existenz bedroht. 

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