zur Navigation springen

Wirtschaft : Bier-Absatzplus dank EM

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Brauereien können leichten Aufwärtstrend verkünden – die Strukturprobleme bleiben aber

svz.de von
erstellt am 29.Jul.2016 | 08:00 Uhr

Wenn Deutschlands Fußballfans vor Welt- und Europameisterschaften die Nationaltrikots überstreifen und ihre Plastikfähnchen am Auto montieren, freuen sich stets auch die Bierbrauer im Land: Die Turniere bringen der gebeutelten Branche regelmäßig dringend benötigtes Zusatzgeschäft mit Pils und Hefeweizen. Das funktionierte 2006 beim „Sommermärchen“, 2014 beim Titelgewinn in Brasilien und trotz des durchwachsenen Wetters auch bei der EM in Frankreich.

Im ersten Halbjahr 2016 gab es gegen den stabilen Negativtrend mal wieder ein leichtes Plus auf dem Heimatmarkt – nach 15 Jahren Rückgang im Inlandsabsatz mit Ausnahme von 2006 und 2014. Für Jubelgesänge bei den Brauern sorgt das allerdings nicht – die Strukturprobleme bleiben.

Infografik: Bierabsatz um knapp 2 Prozent gestiegen | Statista
Mehr Statistiken finden Sie bei Statista

„Die Fußball-EM hat als publikumswirksames Großereignis zusammen mit dem 500. Jubiläum des Reinheitsgebotes wichtige Impulse gesetzt“, erklärt der Deutsche Brauer-Bund. Maßgeblich habe aber auch das Exportplus von 9,4 Prozent zur positiven Bilanz beigetragen. Vor allem Italien, China, Frankreich, die Niederlande und die USA sind dankbare Abnehmer für deutsches Bier.

Im Inland erreichten die Brauer im Halbjahr dagegen gerade ein homöopathisches Plus von 0,3 Prozent, und dafür dürfte neben dem Fußball stark das hervorragende Geschäft im Mai verantwortlich sein.

Wegen der vielen günstig fallenden Feiertage gab es in dem Monat mehrere lange Wochenenden und einen ungewöhnlichen Absatzzuwachs in Deutschland von 7,6 Prozent. „Wir hatten den positiven Sondereffekt EM“, sagt der Chef des Getränkegroßhandelsverbandes GFGH, Günther Guder, „jetzt ist aber die Frage, ob wir das Plus ins Gesamtjahr hinüberretten.“ Die demografischen Effekte blieben weiter negativ.

Denn die deutsche Bevölkerung altert, und je älter die Verbraucher werden, desto maßvoller trinken sie laut den Marktforschungsdaten der Branche. Pro Jahr liege der „Abschmelzverlust“ am deutschen Biermarkt bei 1 bis 1,5 Prozent, sagt Guder. Und seit 1986 schrumpfte der Kopf-Verbrauch beim Bier um fast 28 Prozent.

Die Freude über Absatzzuwächse zur Fußball-EM wurde der Branche zudem von einem heftigen Preiswettkampf verdorben. Große Lebensmittelketten hatten kräftige Rabattaktionen gestartet. Teils wurde die Schwelle von 10 Euro für den Kasten mit 20 Halb-Liter-Flaschen im Bierhandel klar unterboten.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen