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Ganztagsschulen : Betreuung auch nachmittags

vom
Aus der Onlineredaktion

Erhebliche regionale Unterschiede bei Ganztagsschul-Angeboten

Viermal mehr Ganztagsplätze als zu Beginn des Jahrtausends, aber noch lange nicht genug: Laut einer gestern vorgestellten Bertelsmann-Studie wollen fast drei Viertel aller Eltern ihre Kinder in Ganztagsschulen lernen und betreuen lassen. Um den Wunsch und das Ziel zu erreichen, bis 2025 eine Versorgung für 80 Prozent der Schüler anbieten zu können, wäre ein milliardenschwerer „nationaler Kraftakt“ notwendig. Hintergründe von Tobias Schmidt:

Wie ist das Angebot zurzeit?
Nach Angaben der Kultusministerkonferenz sind im Schuljahr 2015/2016 2,82 Millionen Schüler und damit knapp 40 Prozent in 17.700 Grund- und weiterführenden Schulen im Ganztag gewesen. Zum Vergleich: 2002 war es nur eines von zehn Schulkindern.

Von 2003 bis 2009 hatte der Bund in einer Kraftanstrengung mehr als vier Milliarden Euro in den Ausbau des Angebotes gesteckt, was der Betreuung einen großen Schub gegeben hatte. Der Anteil der Grundschulen mit Ganztagsbetrieb hat sich verfünffacht. Seitdem hat der Ausbau deutlich an Fahrt verloren, in den zurückliegenden Jahren stieg das Angebot jeweils um rund zwei Prozentpunkte.

Wie ist das Angebot in den Bundesländern?
Deutschlandweit gibt es erhebliche Unterschiede. In Sachsen, im Saarland, in Hamburg und Berlin haben mindestens 90 Prozent der Schulen ein Ganztagsangebot. In Mecklenburg-Vorpommern besuchen gut vier von zehn Schülern (41,1 Prozent) eine Ganztagsschule. Schlusslicht bei den Grundschulen sind Bremen und Hessen (22 Prozent), bei den Gymnasien hat Thüringen mit 20 Prozent die rote Laterne, bei den nichtgymnasialen Schulen ist es Bremen (22 Prozent). Was den Anteil der Schüler betrifft, die im Ganztag sind, liegt Bayern mit 16 Prozent ganz hinten.

Wie gross ist der Bedarf?
Laut der Bertelsmann-Studie wünschen sich drei Viertel der Eltern inzwischen einen Ganztagsschulplatz. Wobei es auch hier regionale Unterschiede gibt. So verwies das bayerische Kultusministerium gestern darauf, dass die Nachfrage in Stadtstaaten wie Hamburg höher sei als in ländlichen Regionen. Das Deutsche Jugendinstitut (DJI) hat bei den Eltern in Ostdeutschland einen Bedarf von 85 Prozent ermitteln, im Westen hingegen nur von 57 Prozent.

Was wäre erforderlich, um alle wünsche zu erfüllen?
Die Bertelsmann-Forscher haben einen Bedarf von 3,3 Millionen zusätzlichen Plätzen errechnet, damit acht von zehn Schulkindern im Jahr 2025 auf eine Ganztagsschule gehen könnten. Um den steigenden Schülerzahlen und den Qualitätsanforderungen gerecht zu werden, müssten im selben Zeitraum 31 400 zusätzliche Lehrer und 16 200 Erzieher und Sozialpädagogen eingestellt werden. Die Kosten: Jährlich 2,8 Milliarden Euro für das Personal und insgesamt 15 Milliarden Euro für den Schulbau und -ausbau. Um bis 2030 allen Kindern eine Betreuung zu sichern, müssten noch 300 000 zusätzliche Plätze geschaffen werden.

Ist der Ganztagsausbau wirklich notwendig?

Ein flächendeckendes Angebot sei „von den Eltern gewollt, pädagogisch geboten und finanziell machbar“, forderte Jörg Dräger, Vorstand der Bertelsmann-Stiftung. Notwendig seien gemeinsame Investitionen von Kommunen, Ländern und dem Bund. Als Argumente werden neben der besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf für die Eltern auch bessere Bildungschancen ins Feld geführt.



 

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