Gesundheit : Beitragsexplosion in der Krankenversicherung?

svz.de von
10. Dezember 2013, 00:36 Uhr

Trotz hoher Milliardenreserven im Gesundheitsfonds drohen in dieser Legislaturperiode Beitragssteigerungen in der gesetzlichen Krankenversicherung: Auf knapp 16 bis zu 17 Prozent könnte der Gesamtbeitrag bis 2017 steigen – von derzeit 15,5 Prozent. Die Schätzungen der Experten gehen weit auseinander, einig sind sie sich jedoch in einem: Es wird spätestens ab 2016 teurer für die Versicherten. Die schwarz-roten Unterhändler haben im Koalitionsvertrag zwar eine gerechtere Verteilung der Lasten innerhalb der Versichertengemeinschaft vereinbart, doch das Problem überproportional steigender Gesundheitskosten durch medizinischen Fortschritt und alternde Gesellschaft haben sie nicht gelöst.

Gesundheitsökonom Jürgen Wasem von der Uni Duisburg-Essen rechnet im kommenden Jahr mit einem kräftigen Kostenanstieg von 4,8 Prozent im Gesundheitssystem, unter anderem weil der Arzneimittelrabatt deutlich gesenkt wird. Da die Beitragseinnahmen voraussichtlich aber nur um 2,8 Prozent steigen werden, entsteht wohl ein Defizit von vier Milliarden Euro. Auch im Folgejahr 2015 rechnet Wasem mit drei Milliarden Euro minus im System.

Die gute Nachricht: Wegen der hohen Überschüsse im Gesundheitsfonds – derzeit rund 11 Milliarden Euro – dürfte es in beiden Jahren nicht zu Beitragserhöhungen auf breiter Front kommen. „Danach sind die Rücklagen im Gesundheitsfonds jedoch verfrühstückt, ab 2016 ist mit Beitragssteigerungen zu rechnen“, sagt Wasem. Er gibt allerdings zu bedenken, dass die Rechnungen nur gelten, falls der Bund die Steuerzuschüsse an die Krankenversicherung im bisherigen Umfang beibehält.

Ein Beitragsatz von 14,6 Prozent wird zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern hälftig aufgeteilt, weitere 0,9 Prozent bezahlen die Beschäftigten derzeit bereits selbst. Falls eine Kasse mehr Geld benötigt, darf sie ab nächstem Jahr den 0,9-Prozent-Anteil zu Lasten des Versicherten erhöhen. Kommt sie mit geringeren Mitteln aus, kann sie den Beitragssatz auch ermäßigen. Dieses prozentuale System ersetzt die bisherigen Zusatzbeiträge und Prämien, die Kassen erheben beziehungsweise an ihre Versicherten auszahlen konnten.


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