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verkehr : Bahntöchter vor Teilverkauf

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Staatskonzern sucht für DB Arriva und DB Schenker Minderheitsbeteiligung von Investoren

Die volle Kontrolle will die Deutsche Bahn behalten, deutlich mehr als 50 Prozent sollen beim Staatskonzern bleiben. Und doch stellt die geplante Minderheitsbeteiligung von Investoren an zwei internationalen Tochtergesellschaften einen Einschnitt dar. Die Grünen im Bundestag sprechen von einem Ende des Expansionskurses der Bahn mit Firmenzukäufen in aller Welt. Die Gewerkschaften hoffen durch den Teilverkauf von DB Arriva, die in 14 Ländern Europas Busse und Bahnen fahren lässt, und des globalen Logistikers DB Schenker auf positive Effekte für das „Brot-und-Butter-Geschäft“. So nennt Bahnchef Rüdiger Grube gern den Eisenbahnverkehr in Deutschland.

Noch ist es nicht so weit, doch der Aufsichtsrat lässt das Management nun „ein konkretes Umsetzungskonzept für eine Minderheitsbeteiligung Dritter“ erstellen. Die „endgültige Entscheidung“ über die Operation soll dann im Herbst fallen, heißt es in der Mitteilung, in der von einem Börsengang keine Rede ist.

Grube freilich hat solche Börsenpläne, und sie sind ziemlich konkret. Sofern das Umfeld halbwegs normal ist, soll zuerst Arriva bis Mitte 2017 auf den Aktienmarkt gehen und Schenker ein Jahr später folgen.

Zumindest Arriva gilt als „schöne Tochter“ mit einer Wachstumsstory, die potenzielle Aktionäre gerne sehen. Seit der Übernahme der Briten durch die Deutsche Bahn im Jahr 2010 hat sie Umsatz und Betriebsgewinn kräftig gesteigert. Zuletzt gewann sie Großaufträge in Nordengland und London. Beim konjunkturabhängigen Geschäft von Schenker ist es nicht ganz so sicher, ob die Anleger in großer Zahl anbeißen werden.

Die Bahn hält sich bedeckt, soweit es um eine getrennte Bewertung von Arriva und Schenker geht. Aber durchgesickert ist doch, dass sich der Vorstand einen Erlös von insgesamt etwa 4,5 Milliarden Euro erwartet.

Warum das Ganze überhaupt? Es ist kein Strategiewechsel, sondern eine Art Notprogramm. Die Bahn benötigt dringend Geld, um ihr Schienennetz in Schuss zu halten und neue Züge zu kaufen. Zugleich will sie ihre enormen Schulden von 17,5 Milliarden Euro (Ende 2015) nicht weiter anwachsen lassen. „Wenn wir nicht gegensteuern, wird die Verschuldung des Konzerns bis zum Jahr 2020 deutlich steigen“, warnte Aufsichtsratschef Utz-Hellmuth Felcht. Eine Kapitalbeteiligung Dritter begrenze diese Verschuldung und schaffe finanziellen Spielraum, „um die Qualitäts- und Investitionsoffensive in Deutschland fortzuführen“. Das Geschäft im Ausland läuft aber auch so gut, dass die Deutsche Bahn sich nicht ganz von den profitablen Töchtern trennen will.

Bernd Röder

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