Wirtschaft und Verkehr : Bahn zieht mehr Kunden an

Auch in marode Brücken wie hier in Mühlheim muss die Bahn investieren.
Auch in marode Brücken wie hier in Mühlheim muss die Bahn investieren.

In den kommenden Jahren sind Milliardeninvestitionen geplant. Und die Züge sollen pünktlicher sein.

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22. März 2018, 20:30 Uhr

Mit Rückenwind aus der Politik will die Deutsche Bahn ihre Rekord-Fahrgastzahl in den nächsten Jahren weiter steigern. Hohe Investitionen in Züge und Schienennetz haben aber auch den Schuldenberg der Bahn wachsen lassen. Vorstandschef Richard Lutz, seit genau einem Jahr im Amt, legte gestern eine Bilanz mit Rekordumsatz und höherem Gewinn vor. „2017 war wirtschaftlich ein gutes Jahr für die Bahn“, sagte er.

Allein in seinen Fernzügen, ICE und IC, zählte der bundeseigene Konzern gut 142 Millionen Fahrten, das sind 2,3 Prozent mehr als 2016. Insgesamt nutzten die Kunden die Bahn im Fern- und Regionalverkehr 2,08 Milliarden Mal. Beides sind Bestwerte.

Die Bahn erzielte im Geschäftsjahr 2017 einen Rekordumsatz von 42,7 Milliarden Euro (plus 5,2 Prozent). Das operative Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) lag bei 1,69 Milliarden nach 1,46 Milliarden Euro im Vorjahr. Unterm Strich stand ein Gewinn von 765 Millionen Euro nach 716 Millionen im Jahr zuvor (plus 7 Prozent).

Treiber dieser Entwicklung sei außer dem Fernverkehr das Auslandsgeschäft gewesen. Die internationalen Töchter DB Arriva und DB Schenker machten „mittlerweile fast die Hälfte unseres Umsatzes aus“, sagte Lutz. Sie seien auch in der Lage, ihre Investitionen aus eigener Kraft zu finanzieren.

Die Probleme mit der Pünktlichkeit nannte Lutz ärgerlich. Im Fernverkehr waren lediglich 78,5 Prozent der Züge pünktlich, das waren 0,4 Punkte weniger als 2016. Ziel sei ein Sprung nach oben. Für dieses Jahr strebt die Bahn eine Quote von 82 Prozent an.

Im Schienengüterverkehr hat die Bahn den Umschwung noch nicht geschafft. Die Verkehrsleistung der Güterbahn DB Cargo sank um 2,3 Prozent. Vor Zinsen und Steuern erhöhte sich der Verlust (Ebit) auf 90 Millionen Euro nach 81 Millionen im Jahr 2016. „Wir wollen den operativen Verlust verkleinern, etwa bei einer schwarzen Null herauskommen“, sagte Bahnchef Lutz zum Ausblick 2018.

Der Konzern häufte im vorigen Jahr zusätzliche Schulden an. Die Nettoschulden stiegen um eine Milliarde auf 18,6 Milliarden Euro. „In diesem Jahr wachsen wir auf 20 Milliarden zu“ – eine Marke, die die Bahn nicht überschreiten wolle. Grund dafür sei das bisher größte Investitionsprogramm der Bahn. Deshalb müsse man die Investitionen in Fahrzeuge und Schienennetz über neue Schulden finanzieren. In diesem Jahr fließen mehr als 9 Milliarden Euro in den Ausbau des Netzes nach 7,5 Milliarden 2017.

Kommentar: Mehr Wettbewerb

Konkurrenz belebt das Geschäft, heißt es. Aber was als Rechtfertigung für die private Krankenversicherung hochgehalten wird, scheint in Sachen Bahn nicht zu gelten. Dabei könnte dem De-facto-Monopolisten im Fernverkehr ein wenig Konkurrenz nicht schaden.

Beim ersten Schneeflöckchen oder einer leichten Brise rechnen nur die wenigsten mit zuverlässigen Zügen. Zu Recht: Mehr als ein Fünftel aller Fernverkehrszüge kam im vergangenen Jahr zu spät.

Mitbewerber manövriert das Unternehmen dennoch problemlos aus. Die Bahn nutzt ihre Kontrolle über Schienennetz, Bahnhöfe und Ticketverkauf. So hält sie im Fernverkehr nach wie vor einen Marktanteil von 99 Prozent. Wäre es da nicht höchste Zeit für mehr Wettbewerb?

Stefanie Witte

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