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Nach Attacken in Zügen : Bahn rüstet bei Sicherheit nach

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Im Fernverkehr kann sie auch dank ihrer Sonderangebote Fahrgäste hinzugewinnen

svz.de von
erstellt am 27.Jul.2016 | 21:00 Uhr

Sicherheit geht vor. Es soll ein Signal sein. Bevor sich Rüdiger Grube den vielen Zahlen und Diagrammen zur Halbjahres-Bilanz zuwendet, geht der Bahnchef auf die jüngsten Anschläge und die steigende Terror-Angst ein.

„Unser intensives Bemühen bei der Deutschen Bahn ist es, dass unsere Züge und Bahnhöfe auch weiterhin zu den sichersten Orten im öffentlichen Raum gehören“, verspricht Grube gestern bei der Halbjahresbilanz des Konzerns und kündigt eine neue Sicherheitsoffensive an. Mehrere hundert Mitarbeiter sollen nun eingestellt werden, um die Bundespolizei bei ihren Aufgaben zu unterstützen. Schon heute seien rund 3700 Sicherheitskräfte der Bahn und rund 5000 Bundespolizisten für die Sicherheit in Zügen und auf Bahnhöfen im Einsatz. Die Videoüberwachung ausweiten, zudem sollen Sicherheitskräfte mit „Bodycams“ ausgestatten werden, so das Konzept. Bei diesen Geräten sehen Angreifer auf Mini-Monitoren selbst, dass sie gefilmt werden.

Grube zielt mit der neuen Strategie auf das persönliche Sicherheitsgefühl der Reisenden. „Mit Hochdruck“ werde daran jetzt gearbeitet. Dass Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) nach dem Wochenende die Polizeipräsenz auf Bahnhöfen und Flughäfen erhöht hatte, stößt auf Unterstützung bei der Bahn. Weiß der Vorstand doch, dass fehlendes Vertrauen in die Sicherheit Fahrgäste abschrecken könnte.

Kaum etwas fürchtet Grube derzeit so wie Abwanderung von Reisenden. Das nämlich wäre fatal für sein Ziel, die Bahn wieder aus der Krise herauszufahren. Immerhin: Bei der Halbjahrespressekonferenz kann er „erste Erfolge“ präsentieren – einen neuen Fahrgastrekord mit 66,7 Millionen Reisenden in den ersten sechs Monaten 2016. Das sind gut zehn Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Die Entwicklung ist auch auf Schnäppchen-Tickets zurückzuführen. Mehr als 2,3 Millionen Sparpreis-Fahrscheine hatte die Bahn seit Jahresbeginn verkauft. Ein Strohfeuer, das bald wieder erloschen sein könnte?

Grube winkt ab. Die Bahn bewege sich eben in einem sehr preissensiblen Umfeld und gewinne nunmehr Marktanteile zurück. Das Konzernergebnis mit einem Plus von rund einer Milliarde Euro vor Zinsen und Steuern und damit die Rückkehr der schwarzen Zahlen feiert Grube als Erfolg.

Der 64-Jährige steht unter besonderem Druck. Kämpft er doch um eine Verlängerung seines 2017 auslaufenden Vertrags. Nachdem der Konzern im vergangenen Jahr rote Zahlen geschrieben hatte, war die Unruhe auf Seiten des Eigentümers gestiegen. Von Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt kam da eine klare Ansage: Es müsse ein besseres Betriebsergebnis geben, eine höhere Pünktlichkeit sowie WLAN in Fernzügen bis zum Ende des Jahres, verlangte der CSU-Politiker. Gemeinwohl müsse vor Gewinn gehen, legt Dobrindt schließlich nach. Im Bahn-Tower dürfte man die Nase über den Verkehrsminister gerümpft haben.

Auch wenn er es so deutlich nicht sagt: Grube betrachtet die Forderungen des Verkehrsministers inzwischen als eingelöst oder zumindest erfüllbar. Beispiel Pünktlichkeit: Im Fernverkehr liege sie bei 78,4 Prozent. Es gebe einen klaren Trend „nach oben“. Ziel seien 80 Prozent in diesem Jahr. An wichtigen Knotenpunkten wie Köln, Leipzig oder Stuttgart sei die Pünktlichkeit um mehr als 15 Prozentpunkte gesteigert worden. Kritiker monieren jedoch, dass diese Zahlen nicht die ganze Realität abbilden. Viele der derzeit rund 750 Baustellen führten zu Verzögerungen, die allerdings bereits in den Fahrplan „eingepreist“ seien und daher nicht in der Verspätungsstatistik auftauchen.

Was wird nun aus Grube? Offiziell entscheidet der Aufsichtsrat im Dezember. Die nächsten Monate dürften entscheidend für seine Zukunft sein. Denn es bleiben Themen, die Kopfzerbrechen bereiten – etwa die Probleme im Güterverkehr und die vielen verlorenen Ausschreibungen im Nahverkehr. Gestern auf dem Podium bei der Halbjahres-Bilanz präsentiert sich Grube fast als Einzelkämpfer. Seinen Sprecher hat er mitgebracht und Finanzvorstand Richard Lutz. Die übrigen Vorstandsmitglieder fehlen – auch Ronald Pofalla, in dem Beobachter bereits den Bahnchef der Zukunft sehen.

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