Reaktion auf Konkurrenz : Bahn dreht kaum an Preisschraube

„Wir greifen an!“ Mit dieser Manager-Floskel erklärte der neue Bahn-Vorstand Personenverkehr, Berthold Huber, die neue Linie.
„Wir greifen an!“ Mit dieser Manager-Floskel erklärte der neue Bahn-Vorstand Personenverkehr, Berthold Huber, die neue Linie.

Die meisten Fahrpreise für ICE, EC und IC bleiben unangetastet / Konzern reagiert auf Konkurrenz durch Fernbus, Flieger und Auto

svz.de von
15. September 2015, 20:45 Uhr

Etwas muss Berthold Huber richtig gemacht haben, denn selbst Fahrgastvertreter und Verbraucherschützer sind erfreut: Die Bahn tastet beim diesjährigen Fahrplanwechsel die meisten Fahrpreise für ICE, EC und IC nicht an. Damit will sich der Konzern gleich drei Konkurrenten vom Leib halten: den Fernbus, das Flugzeug und das Auto.

Was ändert sich ab 13. Dezember?

Die übliche flächendeckende Preiserhöhung fällt im Fernverkehr aus. Nur wer über die neue Strecke Erfurt-Halle/Leipzig fährt, zahlt mehr. Sparpreise sind auch noch am Tag der Abreise buchbar, Sprinter-Zuschläge fallen weg. Wenn die Zulassung rechtzeitig kommt, fahren die ersten doppelstöckigen Intercity-Züge, was den Wagenmangel dämpfen dürfte, den Fahrgastverbände kritisieren. Das kostenlose WLAN in der zweiten Klasse kommt hingegen frühestens in einem Jahr.

Warum gibt es diesmal keine Preiserhöhung?

„Der Fernbus hat das Spiel am Markt verändert“, bekennt Bahn-Vorstand Huber. Die Rivalen von der Autobahn sind seit der Marktfreigabe 2013 kräftig im Aufwind, die Streiks bei der Bahn brachten ihnen noch mehr Kundschaft. Mitfahrzentralen boomen, Diesel ist ein Viertel billiger als vor drei Jahren - Autofahren ist wieder günstiger. Innerdeutsch tritt die Bahn nun auch noch gegen Billigflieger an. In der zweiten Klasse des Fernverkehrs gab es schon letztes Jahr eine Nullrunde. Höhere Preise sind nur im Regionalverkehr zu erwarten, den der Staat subventioniert.

Wie gefährlich sind die Busse für die Bahn?

Allein im vergangenen Jahr verlor die Bahn nach eigenen Angaben 130 Millionen Euro Umsatz an die neue Konkurrenz. Das Problem sind aber nicht nur Kunden, die in Busse umsteigen. Allein die Möglichkeit, dies zu tun, habe die „Preiswahrnehmung“ geändert, wie Huber es formuliert. Zu Deutsch: Auch treue Bahnfahrer sehen nicht mehr ein, warum sie das Doppelte oder Dreifache zahlen wie Buskunden. Und doch ist dieses Jahr ein neuer Fahrgastrekord im Fernverkehr möglich, wie Huber andeutete. Doch das Plus brachten Billigangebote und Bahncards zum halben Preis für junge Kunden.

Rutscht die Bahn jetzt in die roten Zahlen?

Wahrscheinlich nicht, der Fernverkehr ist nur ein Geschäftsfeld von vielen. Der Regionalverkehr etwa bringt mehr als doppelt so viel Umsatz. Der Konzern rechnete zuletzt mit einer Milliarde Euro Gewinn in diesem Jahr.

Wie bekommt die Bahn die Kosten in den Griff?

Konzernchef Rüdiger Grube hat ein Sparprogramm angekündigt, allein in der Zentrale will er rund 700 Millionen Euro gutmachen – bis zum Jahr 2020. Heute berät der Aufsichtsrat über einen grundlegenden Umbau.

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