Zerschlagung von Innogy : Aufteilung löst geteiltes Echo aus

Innogy gibt es erst seit zwei Jahren, doch die RWE-Tochter soll nun zerschlagen werden.
Innogy gibt es erst seit zwei Jahren, doch die RWE-Tochter soll nun zerschlagen werden.

Merkel und Bsirske begrüßen Pläne von RWE und Eon zur Zerschlagung von Innogy. Expertin fürchtet Rückschlag für Energiewende.

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12. März 2018, 21:00 Uhr

Mit Rückendeckung aus Gewerkschaften und Politik können Eon und RWE die Zerschlagung der Ökostrom-Firma Innogy angehen. Der Chef der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi und Vize im RWE-Aufsichtsrat, Frank Bsirske, will dem Vorhaben zustimmen. Auch Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und die bei RWE einflussreichen NRW-Kommunen sehen die geplante Neuordnung im Prinzip positiv. Der Chef des Verbraucherzentralen-Verbands, Klaus Müller, betonte jedoch, dass die Konsequenzen des Deals etwa mit Blick auf die Strompreise genau geprüft werden sollten.

Eon hat vor, zunächst Innogy komplett zu übernehmen und im Gegenzug den Rivalen RWE am eigenen Unternehmen zu beteiligen. Eon würde dabei das lukrative Innogy-Netzgeschäft erhalten, die erneuerbaren Energien sollen unter dem Dach von RWE vereint werden. Das erst zwei Jahre alte Unternehmen Innogy würde damit aufhören zu existieren.

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) warnte mit Blick auf die geplante Neuordnung bei Eon und RWE vor einem Rückschlag für die Energiewende. DIW-Energiewirtschaftsexpertin Claudia Kemfert sagte unserer Redaktion, es sei kaum zu erwarten, dass RWE die Energiewende voranbringen werde. Kemfert betonte: „Anders als Eon hat dieser Konzern in der Vergangenheit sehr rückwärtsgewandte Unternehmensentscheidungen getroffen und zu wenig Geschäftsmodelle für erneuerbare Energien entwickelt.“ Dass die RWE-Tochter Innogy kaum lebensfähig sei, sei „die direkte Konsequenz aus diesen wenig innovativen Managemententscheidungen“.

Kemfert verwies zudem darauf, dass Eon sich nun in erster Linie auf das Netzgeschäft konzentrieren wolle, obwohl das Unternehmen nach der Aufspaltung durchaus interessante Geschäftsmodelle für die Energiewende entwickelt habe. „Dass dies nun aufgegeben wird, ist für die Energiewende ein Rückschlag.“

Der Ökonom Christian Rusche vom Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) fürchtet indes die Folgen für den Wettbewerb. „Durch die geplante Aufteilung von Innogy wird RWE in der Stromerzeugung an Marktmacht gewinnen, Eon im Netzgeschäft. Es könnte problematisch werden, dass die Konzentration auf den jeweiligen Märkten zunimmt.“ Bedenklich sei außerdem, dass RWE einen substanziellen Anteil an Eon erhalten solle und so Einfluss auf die Geschäftsführung eines Konkurrenten erhalte. Das Bundeskartellamt werde genau hinsehen und den Deal womöglich nur unter Auflagen genehmigen.

Kommentar: Modelle entwickeln

Vor gerade einmal zwei Jahren wurde Innogy als Ökostrom-Tochter von RWE gegründet und beim Börsengang als wegweisend gefeiert. Nun ist das Unternehmen bald Geschichte. Und das Geschäft mit den erneuerbaren Energien – jenem Unternehmensteil, mit dem sich Atomkraft- und Kohle-Riese RWE schwergetan hat – kehrt in den Konzern zurück. Die Pläne lesen sich fast wie eine Rolle rückwärts in die Zukunft. Und genau hier liegt die Krux: Um sich zukunftsweisend aufzustellen, muss RWE konsequent ein Geschäftsmodell für diese Energieträger entwickeln. Am Ende könnte der Deal sowohl RWE als auch Eon Chancen eröffnen: Wenn beide Partner den jeweiligen Part mit mehr Elan angehen, als es bislang der Fall war. Die Energiewende ist eine teure Angelegenheit und der Investitionsbedarf groß.

Nina Kallmeier

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